Pferdedecken dämpften den Ton

Niedersachsens Landtagsabgeordnete nahmen Abschied vom alten stickigen Plenarsaal

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Der alte Plenarsaal des Niedersächsischen Landtages hat ausgedient. Er wird bis Frühjahr 2017 saniert und umgestaltet. Übergangsdomizil für die Abgeordneten ist ein altes hannoversches Handelshaus.

Die Premiere des 1962 vollendeten Landtagssaals in Hannover am 11. September jenes Jahres gedieh zur Peinlichkeit. So miserabel war die Akustik im 20 Millionen D-Mark teuren Parlamentsneubau neben dem Leineschloss, dass die Festrede des Bundespräsidenten Heinrich Lübke (CDU) kaum zu verstehen war. Damit nicht auch die Landtagsdebatten fast ungehört verhallten, lies ein Pfiffikus damals zur Dämpfung des Schalls etliche Pferdedecken an die Wände des würdigen Hauses hängen. Doch weil die graue Wolle wenig würdig wirkte, wurde sie wieder abgenommen. Dann bohrten fleißige Leute viele Tausend kleine Löcher in die Holzvertäfelung. Das sollte den Klang verbessern, doch der blieb mäßig.

Damit mussten die Abgeordneten 52 Jahre lang ebenso leben wie mit künstlicher Beleuchtung und schlechter Luft. Sie wurde durch Dünste aus undichten Abflussrohren dann und wann noch schlechter. »Dunkel, stickig und hermetisch abgeschlossen«, so kennzeich...


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