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»Dunkles Berlin«

Neue Bauhaus-Chefin

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Ab August steht erstmals eine Frau an der Spitze des Bauhauses in Dessau: Claudia Perren. Die 41-jährige Ost-Berlinerin hat in den vergangenen acht Jahren Architektur in Australien gelehrt. Barbara Barkhausen sprach mit ihr über ihre Pläne für Dessau.

Ein großer Schritt, von der Millionenmetropole Sydney in die Kleinstadt Dessau. Fällt Ihnen der schwer?
Australien zu verlassen, stimmt mich traurig. Ich werde das ideale Klima, das Licht, die Wärme und die Strände vermissen, aber die Aufgabe in Dessau reizt mich mehr.

Auch die Stadt?
Auf alle Fälle. Dessau ist schön gelegen und hat mit den Parklandschaften Wörlitz, Georgium und Luisium eine wundervolle Umgebung. Die Stadt ist etwas kantig. Aber das mag ich gerade, da steckt viel Potenzial drin. Das Bauhaus ist ein Glanzlicht, aber nicht nur, da gibt es noch die Meisterhäuser, das Stahlhaus, die Siedlung Törten, das Arbeitsamt, das Restaurant Kornhaus. Alles Original-Zeugnis der Bauhaus-Zeit. Und das geplante Bauhaus-Museum wird ein zusätzlicher Impulsgeber sein.

Um genau dieses Museum, seinen Standort und auch das anstehende 100-jährige Jubiläum 2019 gab es in den vergangenen Monaten eine Menge Querelen ...
Leute haben verschiedene Ansichten und Ideen. Zu konfrontieren ist okay, aber am Ende muss man sich einigen. Es ist unwichtig, ob an der einen oder anderen Straßenecke gebaut wird, sondern dass es in Dessau eine würdige Präsentation der zweitgrößten Bauhaus-Sammlung gibt. Wichtig ist, dass ein Gesamtkonzept erarbeitet wird, das alle Bauhaus-Bauten in Dessau inhaltlich, logistisch und kuratorisch verbindet.

Sie sind in Ost-Berlin noch zu DDR-Zeiten aufgewachsen. Hat Sie das geprägt?
Die Mauer bedingte eine urbane Situation, die dich klar ausgrenzt oder eingrenzt, das kommt auf die Perspektive an. Ich war 17 Jahre alt, als die Mauer fiel. In die Schule gingen wir an diesem Tag nicht! Berlin ist heute anders als damals. Früher war Berlin im Osten wie Westen grau. Künstler wie David Bowie kamen nicht nach Berlin, weil alles so schön war, das »dunkle« Berlin zog sie an.

Wie wollen Sie dem Bauhaus künftig Ihren Stempel aufsetzen? Das Bauhaus trägt internationale Verantwortung und ich glaube, es muss noch internationaler werden und dabei nicht nur auf Europa und Amerika blicken, sondern auch nach Asien, Australien und Afrika. Vieles wäre ohne die Moderne nicht möglich gewesen und das Bauhaus ist eine ihrer Geburtsstätten. Hier wurde über den neuen Menschen und die Gestaltung einer neuen Lebenswelt nachgedacht, neue Technologien entwickelt, neue Materialen und Kompositionen getestet. Das Bauen stellte Hierarchien in Frage und entwickelte neue Formen des sozialen Miteinanders. Und das Aufregende: es ist noch nicht beendet, wir leben diese Moderne - wir sind mitten drin.

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