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Trockenes Stadion, nasse Hauskeller

Proteste gegen Flutschutz für Bremer Weserstadion

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Sage nach sahen Kaufleute auf der Suche nach einem Platz für eine Handelsniederlassung an der Weser eine Henne mit ihrem Nest auf einer sandigen Anhöhe im Fluss. Dort, wo es offenbar trocken genug war, um Küken aufzuziehen, gründeten sie ihre Handelsbasis, aus der Bremen entstand. Die Stadt hat sich inzwischen jedoch stark ausgedehnt, der Fluss wurde »kultiviert« - und die Menschen sehen sich häufig mit gefährlichen Fluten konfrontiert. Bremen zieht sich über 30 Kilometer zu beiden Seiten entlang der Weser hin, ein Großteil des Stadtgebiets ist somit auch Überflutungsgebiet. Bereits vor über 600 Jahren wurde in Bremen der erste Deich gebaut, vor rund 550 Jahren der erste Deichverband gegründet.

Mittlerweile besteht der Hochwasserschutz nicht mehr nur aus Deichen, sondern aus einem ganzen System von Maßnahmen. Dazu gehören auch Überschwemmungsgebiete an den Weser-Ufern. Zumeist liegen in diesen Bereichen Kleingartenkolonien. Die Pauliner Marsch ist so ein Gebiet, ein sehr City-nah gelegenes, vielfach genutztes Erholungs- und Freizeitareal. Neben Gärten gibt es dort Sportplätze, Segelvereine, ein Schwimmbad und Weiden. Außerdem einen sehr prominenten, weithin sichtbaren Ort: das Bremer Weserstadion.

Bisher wurde die Fußballarena noch nicht durch Flutwasser geschädigt, aber die Pegel werden laut Prognosen künftig immer höher steigen - schließlich ist Bremen über die Weser direkt mit der Deutschen Bucht verbunden. Begradigungen und die Vertiefung des Flusses haben zur Folge, dass bei Sturmfluten das Wasser weitgehend ungehindert die Weser aufwärts und damit in den Stadtbereich Bremens drücken kann.

Derzeit - gerade einmal zwei Jahre nach Abschluss des großen Stadionumbaus - denkt man in Deichverbänden und Politik nun über den Hochwasserschutz für das teure Weserstadion nach. Allerdings gibt es noch nicht einmal ein klares Bild der Bedrohungslage. Besteht nur Gefahr durch Überflutung? Oder droht dem Stadion gar auch eine »Unterflutung«, also ein derart starker Anstieg des Grundwasserpegels, dass die Arena von unten »vollgepumpt« wird?

Sicher scheint jedenfalls, dass die Pauliner Marsch dran glauben muss. Denn der zur Zeit favorisierte Schutzplan sieht einen hohen Wall ums Stadion vor. Allein dafür würde viel Fläche gebraucht. Aber zudem soll noch eine nette Promenade entstehen, und gegen die »Unterflutung« ist der Bau von Entnahmebrunnen geplant. Außerdem forderten Verwegene einen Umbau des Stadions, und zwar derart, dass die Wassermassen unterm Rasen durchfließen können, ohne ihm zu schaden. Möglich scheint alles. Was es kosten wird, weiß niemand. Woher die Millionen oder gar Milliarden kommen sollen auch nicht. Bremen steckt schließlich in einer Haushaltsnotlage.

BewohnerInnen des direkt angrenzenden Stadtteils Peterswerder befürchten zudem, dass durch die Schutzmaßnahmen für das Stadion das Wasser ins Hinterland fließt - und in ihre Keller. Außerdem fühlen sie sich nicht richtig eingebunden in die Planungen. Angst vor Landschwund durch den geplanten Stadionschutz haben auch die Vereine. Die Segelvereine sehen ihre Uferplätze gefährdet, ein Tennisverein mit eigentlich unkündbarem Pachtvertrag seit 1952 hat bereits eine Kündigung bekommen. Die Tennisplätze liegen direkt neben Stadion und Schwimmbad. Der Verein will gerichtlich gegen die Kündigung vorgehen.

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