Die Schnellwerter

Über die Angst um die eigene Wert- und Wortsphäre

  • Von Wolfgang Schmidbauer
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.
Dr. Wolfgang Schmidbauer lebt und arbeitet als Psychotherapeut in München.

Unter den Kriegern vor Troja war Achill der ruhmreichste, weil er der flinkste Läufer war. Geschwindigkeit ist wertvoll. Wir sehen es in den Wettkämpfen um olympisches Gold, in dem der Sprint der Männer durchaus etwas vom alten Glanz griechischer Athleten in die Moderne transportiert. Selbst in der Wirtschaft hören wir, wenn wieder einmal ein Traditionsunternehmen von einem Newcomer geschluckt wird, den Spruch des wilden Kapitalismus: Es fressen nicht die Guten die Schlechten, sondern die Schnellen die Langsamen.

Das langsame Argument hat in Talkshows gegen den Schnellschuss keine Chance. Ich erinnere mich an einen Jugendamtsleiter, der sich redlich mühte, die Schwierigkeiten seiner Arbeit darzustellen. Tut er nichts, heißt es, er sei schuld, wenn ein Kind leidet. Greift er schnell ein und stößt auf uneinsichtige Eltern, ist er ebenso schnell der gefühlskalte Bürokrat, der aus nichtigem Anlass Familien zerstört. Man hörte ihm ...


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