Werbung

Nahostkonflikt gelöst

Friedensverhandlungen brachten einen Durchbruch – beim Rollenspiel im Rheinland

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sie einigten sich auf einen gemeinsamen Staat und auf eine Lösung der Flüchtlings- und Jerusalemfrage: Junge Palästinenser und Israelis zeigen, dass es möglich ist, nach zwei Wochen »Ferien vom Krieg«.

Die »Premierminister« Thaer und Rotem lächeln wie Profis in die Kamera, als sie zum Händeschütteln posieren. Beide wirken sichtlich zufrieden, auch wenn Thaer, der Mann mit dem Palituch über den Schultern, Rotems Hand zu sich herübergezogen zu haben scheint. Das darf man durchaus metaphorisch verstehen: Man traf sich nicht in der Mitte. Das Modell zur Lösung des Nahostkonflikts, das die beiden jungen »Spitzenpolitiker« nebst ihren Unterhändlern am Sonntagabend vor einer Handvoll durchaus realer Journalisten vorstellten, berücksichtigt palästinensische Interessen stärker als israelische. Rotem, der israelische »Regierungschef«, räumt das auch freimütig ein. »Die stärkere Seite muss kompromissbereiter sein«, lächelt der 24-jährige.

Zwei Wochen lang hatten 48 junge Menschen aus den beiden Krieg führenden Ländern in der Jugendakademie Walberberg zwischen Köln und Bonn in einem Rollenspiel Friedensverhandlungen geführt. Sie fuhren zu dem Seminar mit der Absicht, der Gegenseite zu vermitteln, wie sehr sie unter dem Konflikt leiden. »Anfangs gibt es einen regelrechten Konkurrenzkampf«, sagt Projektkoordinatorin Barbara Esser. Tag für Tag kamen sie sich näher. Die Israelis, die fast alle in der Armee gedient haben und die Palästinenser, die überwiegend in der Westbank leben, von denen aber viele Verwandte in Gaza haben, lernten sich kennen. Sprachen, verhandelten, feierten miteinander. Aus Feinden, aus »Besatzern« bzw. »Terroristen«, wurden – Menschen. Bei einem gemeinsamen Besuch der Stadt Brüssel musizierten schließlich einige der Israelis in einer Fußgängerzone, sammelten Geld für Kinder in Gaza. Bis die belgische Polizei sie vertrieb.

Die Annäherung fiel nicht leicht, glaubt man den Berichten der Beteiligten. Eine 24-jährige israelische Studentin spricht von einem »Sprung ins kalte Wasser«, von einem »sehr emotionalen« Prozess, in dem sie ihren »Tunnelblick« auf den Konflikt überwand. Neben ihr nickt ein etwa gleichaltriger Journalist aus Ramallah, der ebenfalls einräumt, Vorurteile überwunden zu haben. Über das Friedensseminar will er nicht schreiben. Dafür sei das Thema zu sensibel.

In Nahost einigten sich die Hamas und Israels Regierung am Sonntag auf einen Waffenstillstand von drei Tagen. In Walberberg präsentieren die »Premierminister« Rotem und Thaer einen kühnen Drei-Phasen-Plan. Er führt über einen eigenständigen palästinensischen Staat und eine Konföderation nach EU-Modell zu einem gemeinsamen demokratischen Staat für Palästinenser und Israelis. Mit Jerusalem als Hauptstadt – und für alle offene religiöse Stätten unter UN-Ägide. All das binnen zehn Jahren.
Kaum ein Detail blieb ausgespart – nicht die Grenzsicherung in der Übergangsphase und die Vernichtung israelischer Massenvernichtungswaffen, nicht die »Erziehung zu einem gemeinsamen Leben« und Grundsätze bei der gerechten Verteilung von Ressourcen einschließlich Wasser. Flüchtlinge sollen entschädigt werden oder in ihre ursprünglichen Orte zurückkehren dürfen, wobei allerdings keine Israelis vertrieben werden dürfen. Streitfragen soll ein Komitee unter UN-Aufsicht schlichten. »Wir wollen Krieg dauerhaft verhindern«, betont der junge Palästinenser Thaer.

Zum Dialog über Grenzen hinweg hatte das auf private Spenden angewiesene Projekt »Ferien vom Krieg« geladen, das solche Friedensseminare seit 2002 zusammen mit lokalen Partnern organisiert. »Es gab in all den Jahren noch nie eine tätliche Auseinandersetzung«, sagt die langjährige Koordinatorin Helga Dieter. Das ist durchaus bemerkenswert, schließlich treffen Menschen mit manifesten Feindbildern aufeinander. Sukzessive würden sie Empathie, Mitleid und schließlich »ein Gefühl der Gleichheit« entwickeln.
Mal saß der stolze Bruder eines Selbstmordattentäters neben einem israelischen Mädchen, das von einem Anschlag gezeichnet ist. Mal habe ein israelischer Bomberpilot seinen palästinensischen Gesprächspartnern berichtet, dass sie für ihn nur Punkte auf einem Display waren. Erst in Walberberg habe er realisiert: Die Punkte sind Menschen. Helga Dieter zitiert eine ehemalige Teilnehmerin: »Frieden beginnt, wenn du um die Opfer der anderen Seite trauern kannst.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen