»Die da drüben sind illegal«

Das geteilte Zypern steht im Spannungsfeld zwischen Unnachgiebigkeit und Vergebung

  • Von Christiane Sternberg, Nikosia
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Sie wissen nicht: Sollen sie einen Neuanfang wagen? Oder die alten Wunden rächen? Zyperns Bewohner sind nach 40 Jahren Besetzung auch innerlich ein geteiltes Volk.

Laut hupend bahnt sich ein Motorradkonvoi den Weg durch den samstäglichen Einkaufsverkehr in Süd-Nikosia. An der Kreuzung sorgt eine Polizeieskorte für Vorfahrt und die zwei Dutzend Motorräder biegen in die große Allee ein. An den schweren Maschinen flattern zyprische und griechische Flaggen im Fahrtwind.

Die motorisierte Prozession erinnert an zwei junge Männer, die vor achtzehn Jahren bei einer Protestaktion gegen die türkische Besatzung ums Leben kamen: Tassos Isaak wurde nach seinem Eindringen in die Pufferzone von türkischen Nationalisten erschlagen. Sein Cousin Solomos Solomou erstieg den Fahnenmast eines türkischen Postens, um die Flagge niederzureißen - er wurde dabei erschossen. In der Republik Zypern gelten die beiden als Nationalhelden. Jedes Jahr im August führt die Gedenkfahrt quer durch den Süden der Insel. An der Ampel zwischen den wartenden Fußgängern klatschen zwei junge Männer Beifall und rufen: »I Kypros ine...

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