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Gebündelte Kraft gegen Nazis

Neues Bündnis startet Kampagne für Vielfalt in Lichtenberg

In Lichtenberg startet eine neue Kampagne für Vielfalt und Demokratie im Bezirk. Mit den Erfolgen, die das bisherige antifaschistische Engagement brachte, will man sich vor Ort nicht zufriedengeben.

»Viele waren beunruhigt«, erinnert sich Rosemarie Heyer vom Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz, also vor drei Jahren bekannt wurde, dass sich in einem ehemaligen Gardinengeschäft in der Lückstraße Neonazis eingemietet hatten. Heyer war fast immer dabei, als das Bündnis Proteste gegen den rechten Treffpunkt mitorganisierte. Inzwischen hat sich jedoch viel getan. Die Proteste haben Wirkung gezeigt und der Neonazitreff im Kiez ist seit Juni endgültig Geschichte. Nun soll das Engagement gebündelt und verbreitet werden. »Bunter Wind für Lichtenberg« ist der Name der neuen Kampagne für Demokratie und Vielfalt, die das Bündnis gestern gestartet hat. Vorausgegangen war ein gleichnamiger Wettbewerb, bei dem Engagierte ihre Ideen für eine Nachnutzung des Ladengeschäftes in der Lückstraße einreichen konnten.

Bereits jetzt zählt die Kampagne 100 Unterstützer von Parteien und Initiativen bis hin zu Kulturschaffenden. Viele von ihnen sind am Mittwoch auch persönlich zur Vorstellung des Projekts in das Interkulturelle Bildungszentrum in der Münsterlandstraße gekommen.

Zu ihnen zählt auch Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD). Er wirft zunächst einen Blick zurück in die Geschichte des Bezirks. Anfang der 90er Jahre hätten Rechtsextreme insbesondere im Weitlingkiez noch Angst und Schrecken verbreitet. Heute spüre man eine deutliche Veränderung, berichtet Geisel. Ökoprojekte mit Windmühlen auf den Dächern bestimmten inzwischen das Bild. Immer mehr Menschen aus dem nahe gelegenen Friedrichshain würden in seinen Bezirk ziehen, wirbt der Bürgermeister für Lichtenberg. Der Treffpunkt in der Lückstraße sei ein Rückschlag gewesen, gibt Geisel zu. Den Neonazis sei es aber zu keinem Zeitpunkt gelungen, in den Kiez hineinzuwirken. Die Antworten des Senates auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Ole Kreins untermauern die insgesamt positive Entwicklung. Im Jahr 2013 wurden nur 24 von berlinweit 1361 registrierten rechten Straftaten in der einstigen Hochburg der Szene gezählt - überwiegend sogenannte Propagandadelikte. In vier von zehn Fällen, in denen Verdächtige ermittelt werden konnten, wohnten die Täter auch dort. Insgesamt geht der Senat nur noch von einer Zahl von im Weitlingkiez wohnenden Rechtsextremen im unteren zweistelligen Bereich aus.

Stattdessen werden immer mehr Menschen in Lichtenberg gegen Rechts aktiv. Dazu zählen auch die »Eisbären«. Der Eishockeyclub, der seine Spiele inzwischen in Friedrichshain austrägt, hat seine Heimstätte im Sportforum in Hohenschönhausen. Man engagiere sich schon länger antirassistisch, sagt Pressesprecher Daniel Goldstein. Mit dem Engagement für die Kampagne wolle man nun »ganz praktisch« mithelfen und die eigene »gesellschaftliche Verantwortung« als Sportverein wahrnehmen. Gerade haben die »Eisbären« in Lichtenberg ein neues Projekt gestartet. Schülerinnen und Schüler sollten hier herausfinden, dass Vielfalt eine Stärke ist, so Goldstein. Widerstand gegen die Naziideologie sei bei ihm auch so etwas wie eine »Familientradition«, erzählt er. Sein Großvater Kurt Julius Goldstein war jüdischer Widerstandskämpfer und überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald.

Die Kampagne »Bunter Wind in Lichtenberg« will in den nächsten Monaten richtig durchstarten. Im Rahmen von berlinweiten Aktionswochen sind im September und Oktober Lesungen, Filmvorführungen und Konzerte geplant. Ob die Kampagne der entscheidende Windstoß sein kann, wird die Zukunft zeigen.

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