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Schüler sollen verstärkt zu kritischen Konsumenten gemacht werden. Während sie kritisch Kaufentscheidungen fällen, zwischen vergleichbaren Produkten abwägen und das Preis-Leistungs-Verhältnis begreifen sollen, bleibt deren Heranbildung als kritische Staatsbürger ein nebensächliches Ziel.

»Die Verbraucherbildung ist an den Schulen auf dem Vormarsch«, schreibt die »Frankfurter Allgemeine«. Grundsätzlich ist dagegen ja auch gar nichts zu sagen. Kritische Konsumenten sind durchaus notwendig. Ein wenig Mündigkeit in dieser Frage schadet absolut nicht. Nur ist es schon seltsam, dass man die »Macht des Verbrauchers« zu einem progressiven Bildungsauftrag theoretisiert, während man die eigentliche »Macht des Bürgers« weiterhin in jenem lahmen Unterricht erstickt, der wahlweise Sozialkunde, Gemeinschaftskunde oder PoWi heißt. Dort lernen die Schüler die Mechanismen dieses »besten aller möglichen Systeme« kennen und erfahren wie die »Konzernokratie« tickt, die man allerdings aus nostalgischen Gründen »Demokratie« nennt. Die Macht des Staatsbürgers, so erfährt man dort mehr oder minder, endet immer dort in Ohnmacht, wo sie das Profitstreben der Wirtschaft auch bloß touchiert.

Aber leider hält man es für weniger notwendig, die Staatsbürgerbildung an Schulen stärker voranzubringen, um aus den Schülern später mal mündige Bürger zu machen. Bürger, die nicht einknicken im Angesicht der Postdemokratie, sondern auf ihre verfassungsmäßige Stellung als Souverän pochen und sich nicht mit Ausreden abspeisen lassen. Im Grunde wäre eine Staatskunde notwendig, die nicht nur erklärt wie der parlamentarische Laden läuft und wie der politische Betrieb organisiert ist, sondern auch ein gestalterisches Bürgerbewusstsein schafft. Gerade so, wie die Verbraucherbildung auf ihrem Gebiet ja auch kritische Geister schaffen möchte. Aber fast ist man geneigt zu meinen, dass kritische Staatsbürger gar nicht gefragt sind. Denn wenn man heute an den Staatsbürger denkt, dann stellt man sich in erster Linie den Verbraucher vor. Dass sich von seinem Willen die Willensbildung der Gemeinschaft ableitet, gerät mehr und mehr zur Randnotiz.

Den Verbraucher an Schulen zu stärken, während der Bürger stiefbrüderlich nebenher laufen soll, scheint jedoch kein Zufall zu sein. Das hat System: Die gesamte Europäische Union wirkt beinahe so, als sei sie lediglich darauf ausgerichtet. Um den Kunden sorgt man sich, er soll billig konsumieren und Verbraucherschutz-Erlasse sind das tägliche Brot der übernationalen Politik. Manchmal hat man den Eindruck, Brüssel sei ein reine Verbraucherschutzmacht. Der Bürger erlebt hingegen seinen Abgesang - er soll seine politische Meinung zurückhalten, nicht wutbürgern, soll sich der politischen Bevormundung fügen und die Bürgerferne als normalen Zustand in der amtierenden Demokratie hinnehmen. Kundenorientierung ist die neue demokratische Zivilgesellschaft. Mehr ist kaum noch drin.

Die Kultusminister der Länder stehen einer solchen Verbraucherschulung nicht ablehnend gegenüber. Verschiedene Konsumkompetenzen sollen verbessert werden. Und einiges davon klingt vernünftig. Anderes aber kollidiert mit der »sozialen Demokratie«, wie sie im Grundgesetz verankert ist. Wenn Verbraucherschützer beispielsweise über private Altersvorsorge informieren sollen, so wie dass die Kultusminister unter anderem für richtig erachten, dann zersetzen sie gleichzeitig auch die Bereitschaft zum Sozialstaat und verleihen dieser Privatisierung von Volksvermögen einen schulischen Ritterschlag. Hier braucht es nicht kritische Verbraucher, sondern kritische Bürger. Aber woher sollen sie kommen?

Wie gesagt, natürlich ist es nicht schlecht, wenn man junge Menschen zu kritischen Personen erzieht. Aber bitte nicht nur auf dem Verbrauchssektor alleine. Dringender wären Bürger, die sich nicht durch Konsum steuern lassen und die nicht mit den Achseln zucken, wenn es an die Substanz dieser Demokratie geht. Schickt neben den Verbraucherschützern noch Bürgerrechtler hinterher! Damit die jungen Menschen vollumfänglich mündig gemacht werden.

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