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Welten auf Weimars Wänden

In der Klassikerstadt läuft an diesem Wochenende das Illuminationsfest »Genius Loci«

  • Von Danuta Schmidt, Weimar
  • Lesedauer: 4 Min.
Internationale Projektionskünstler produzieren in Weimar drei Tage lang Fassadenshows. Dabei soll der Geist des jeweiligen Ortes aufgespürt werden.

Bereits zum dritten Mal findet am kommenden Wochenende das Fassaden-Projektions-Festival »Genius Loci« in Weimar statt. Das sogenannte Video-Mapping haben etliche deutsche Städte als eine neue Form von Stadtmarketing erkannt. Die »Blaue Nacht« in Nürnberg, die »Luminale« in Mainz oder die Fassaden-Projektion am Schloß Elisabethenburg im südthüringischen Meiningen sind zeitgenössische Aktionen, sich mit dem architektonischen Erbe zu beschäftigen. Es ist Denkmalpflege und Straßenkunst zugleich, die vor allem mit dem jeweiligen Ort zu tun hat und die Identität einer Stadt stärkt.

Im Fall des thüringischen Weimar ging die Initiative von einem jungen interdisziplinären Team aus Architekten, Designern und Grafikern, ehemals Studenten der Bauhaus-Universität, aus. Sie fanden Sponsoren und Partner wie das thüringische Wirtschaftsministerium, die Klassik-Stiftung Weimar, den Russischen Hof Weimar und viele andere mehr für diese neue Kunstform. Auch die Stadt Weimar ist dankbar für die Ausrichtung des Festes, zumal seit März eine Bewerbung der Stadt bei der UNESCO zur Aufnahme in das »Creative Cities Network« läuft. In diesem Programm sind weltweit Städte vernetzt, die Erfahrungen, Strategien, Ideen und modellhafte Praxis im Bereich zeitgenössischer Kunst und Kultur austauschen wollen.

»Genius loci«, der Name des Weimarer Festivals, meint den Geist eines Ortes. Den aufzuspüren und in künstlerische Projekte umzuwandeln, war Ziel eines internationalen Wettbewerbes, den eine Jury um Veranstaltungschef Hendrik Wendler 2013 ausgeschrieben hatte. Beworben haben sich 57 Künstlerteams aus 17 Ländern. Aufgabe war, drei Gebäude - das Deutsche Nationaltheater (DNT), das Ohm-Krüger-Haus am Herderplatz sowie die Anna-Amalia-Bibliothek - zu bespielen. Beiträge aus Frankreich, Ungarn, der Ukraine, Polen und Pakistan wurden eingereicht. Die Teilnehmer waren aufgefordert, sich konkret mit Weimar, mit der konkreten Architektur, mit dem Ort und dessen Geschichte zu beschäftigen und dabei eigene Geschichten zu erzählen.

»Es ist schon verrückt, wenn man dann einen Wettbewerbsbeitrag aus Pakistan in den Händen hält, der sich mit der Klassikerstadt Weimar beschäftigt« sagt der Architekt Wendler. »Da ich eine Software entwickelt habe, die es ermöglicht, live und vor allem passgenau die Videoprojektionen an die Fassaden anzupassen, bin ich oft auf diesem Gebiet unterwegs. Ich habe mir viel angeschaut, auch auf dem Berliner Festival of Lights.« Aufgefallen sei ihm, dass sehr viele Projektionen sehr beliebig seien, irgendwo entworfen wurden und mit dem Ort relativ wenig zu tun hätten. Das Weimarer Festival soll da durchaus anspruchsvoller, feiner sein.

45 000 Euro Preisgeld teilen sich nun die Teams »MammasONica« aus Italien, die Dresdner »Rüstungsschmiede« sowie »Xenorama« aus Bremen. Die Dresdner nähern sich beispielsweise der Architektur und der Akustik des DNT an, dazu haben sie mit Instrumenten Klänge für Fenster, Türen und Säulen gefunden sowie Türenklappen, Publikumsgeräusche, Hydraulik aufgenommen und verfremdet. Die Bremer thematisieren am Ohm-Krüger-Haus die gegensätzlichen Geisteswelten von Johann Gottfried Herder und dem Buren-Führer Ohm Krüger. Das Haus am Weimarer Herderplatz trägt dessen Namen, weil ein früherer Besitzer einst eine Büste Krügers an der Fassade anbringen ließ.

In diesem Jahr wird es zudem eine temporäre Fläche geben: Über dem Alten Künstlerhaus wurde eine Skulptur errichtet, die von verschiedenen internationalen Künstlern mit Videoprojektionen bespielt wird. Veranstaltungschef Wendler: »Wir versuchen schon, viel Werbung zu machen, haben ein gutes Netzwerk, nicht nur innerhalb der Video-Szene, die es seit den Neunziger Jahren gibt.« Das Team hat selbst viel in Blogs und Foren sowie auf youtube recherchiert.

Doch das, was an den drei Tagen passiert, ist eigentlich Werbung genug: 2013 beobachteten die Veranstalter während des dreitägigen Festivals einen stetigen Besucherzuwachs. In der Nacht vom Sonntag zum Montag, »wenn der Normalbürger am nächsten Tag arbeiten gehen muss, sind die Straßen in Weimar am vollsten«, berichtet Wendler. Bis dahin hatte sich rumgesprochen, was man verpasst hätte, wenn man nicht dabei gewesen wäre. Buschfunk ist also viel wert. »Genius Loci« startet am Freitagabend um 21.30 Uhr an den drei Kulturdenkmälern.

Mehr zum Programm des Weimarer Fassaden-Projektions-Festivals unter: www.genius-loci-weimar.org

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