Werbung

Das Herz des Widerstandes

  • Von Karin Leukefeld, Sweida
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Blick auf die Geschichte des Landes macht deutlich: Ohne Drusen kein Syrien. Die Bevölkerungsgruppe fühlt sich bis heute dem Land eng verbunden.
Blick auf Salkhat mit dem Berg Abed Mar von Westen. Die Landstraße verbindet Salkhat mit der von Kämpfern besetzten Provinz Deraa.
Blick auf Salkhat mit dem Berg Abed Mar von Westen. Die Landstraße verbindet Salkhat mit der von Kämpfern besetzten Provinz Deraa.

Zur Unabhängigkeit Syriens haben die Drusen viel beigetragen. 1925 war Sweida das Herz eines Aufstandes gegen die französische Mandatsmacht, die - nach dem Motto »teile und herrsche« - das Land schon damals in kleine Staaten und Stadtstaaten aufteilen wollte. Die Drusen lehnten das Angebot eines »Drusenstaates« ab, sie wollten Unabhängigkeit für ganz Syrien. Von der Küste bis zum Arabischen Berg (Jebl Arab) bei Sweida kämpften Tausende mit Sultan Pasha al-Atrasch, dem legendären Drusenführer. Die Franzosen setzten die Luftwaffe ein und schlugen den Aufstand 1927 nieder. Sultan Atrasch floh nach Jordanien und kehrte 1937 wieder nach Sweida zurück.

Der 1885 in Al-Qurayya geborene Atrasch wurde an der Osmanischen Militärakademie in Istanbul ausgebildet. 1913 war sein Vater Zuqan, ein entschiedener Gegner der Osmanen, von diesen gehenkt worden, Pasha al-Atrasch übernahm die Führung seiner Familie. 1915 desertierte er aus der osmanischen Armee und schloss sich dem arabischen Widerstand gegen die Osmanen an. Er nahm Kontakt zur arabischen Nationalbewegung in Mekka auf, zwischen 1916 und 1918 war er Offizier der arabischen Armee unter der Führung von Sherif Husein. Nach dem Ende des Osmanischen Reiches 1918 schloss Atrasch sich dem neuen König von Syrien, Faisal I., an.

Den ersten unabhängigen syrischen Regierungen von Schukri al-Quwatli und Adib al-Shishakli stand Atrasch kritisch gegenüber. Letzteren kritisierte er besonders für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Verhaftung von politischen Aktivisten. In politischen Tumulten Mitte der 1960er Jahre wurde Atrasch unter Hausarrest gestellt. Erst mit der Machtübernahme von Hafez al-Assad versöhnte sich der alte Revolutionär mit der syrischen Regierung. Sein Sohn Mansur wurde hoher Funktionär der Baath-Partei. Assad bezeichnete Atrasch respektvoll als »Verteidiger der syrischen Unabhängigkeit«. Sein Mausoleum steht in seinem Geburtsort Al-Qurayya, unweit der Grenze zu Jordanien.

Angesichts der allgemeinen Verunsicherung in Syrien und in den Nachbarstaaten erinnert man sich in Sweida an alte Pläne Israels, das 1967 versucht hatte, die Drusen auf seine Seite gegen Damaskus zu ziehen: Israel könne den gesamten Golan und den Süden Libanons und Syriens besetzen, wenn die dort lebenden Drusen es unterstützen würden. Im Gegenzug könnten die Drusen in dem besetzten Gebiet einen eigenen Staat bilden. Die Ablehnung kam prompt. »Die Drusen in Libanon und in Syrien haben sich ihren Nationen und nationalen Streitkräften verpflichtet«, hieß es in einer Erklärung. »Wir sind nicht die Grenzwächter von Israel, wir sind das Herz des Widerstandes.«

Daran hat sich bis heute nichts geändert. In einem aktuellen Interview mit der libanesischen Zeitung »Al-Akhbar« erklärte das geistliche Oberhaupt der Drusen in Syrien, Scheich Hammoud al-Hannawi, kürzlich: »Die Drusen werden sich gegen jede Aufspaltung in der Region wehren. Unsere Existenz basiert auf der Existenz des Syrisch-Arabischen Staates.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln