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Der kurdische Flickenteppich

Diverse Gruppen in Irak und Syrien kämpfen gegen die Miliz »Islamischer Staat«

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: 3 Min.
An Waffen fehlt es in Irak nicht, unabhängig davon, ob aus Deutschland noch mehr als Unimogs und Schutzwesten geliefert werden. Um die Waffen konkurrieren mehrere kurdische Gruppen.

Zehn Millionen US-Dollar hat der kurdische Ministerpräsident Neschirvan Barsani dieser Tage für die Inlandsvertriebenen in Dohuk zur Verfügung gestellt und stockte damit die bereits geleistete Hilfe auf 25 Millionen US-Dollar auf.

Viele internationale Hilfsorganisationen seien gekommen, um den Vertriebenen zu helfen, so Barsani. Die Peschmerga, die kurdischen Streitkräfte, würden »die Terroristen schlagen und erfolgreich sein, sobald die erbetenen Waffen und Munition eingetroffen sind«.

Waffen sind also mit und ohne Deutschland schon auf dem Weg: aus den USA, Kanada und Australien, aus Frankreich und Großbritannien, aus Tschechien und Italien. Doch wer wird diese Waffen erhalten?

Offiziell heißt es, dass Waffen und Ausrüstung an die Peschmerga (Übersetzung: Diejenigen, die dem Tod ins Auge sehen) im kurdischen Nordirak geliefert werden. Gemeint sind vermutlich die Kämpfer, die Präsident Massud Barsani (Vater des Ministerpräsidenten Neschirvan Barsani) gehorchen. Die Barsanis führen den mächtigsten kurdischen Klan in Nordirak und die 1946 gegründete Demokratische Partei Kurdistans (KDP) ist heute die Regierungspartei der Barsanis.

Peschmergakämpfer gibt es aber auch im Sold der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), die vom Talabani- Klan geführt wird, der bis vor Kurzem mit Dschalal Talabani den irakischen Präsidenten stellte. Die PUK spaltete sich 1975 von der KDP ab. Mehrmals lieferten sich beide Parteien blutige Machtkämpfe, zuletzt in den 90er Jahren, im Schutz des »sicheren Hafens« Irak. Die USA und westliche Staaten, die damals in dem »sicheren Hafen« vielen Interessen nachgingen, schätzten die Situation so brenzlig ein, dass sie humanitäre und Geheimdienstmitarbeiter evakuierten. Die KDP erhielt Unterstützung aus der Türkei, die PUK aus Iran - und von Saddam Hussein. Neben KDP und PUK gibt es Goran, die Partei des Wandels, die ebenfalls über bewaffnete Kämpfer verfügt, wie übrigens jede andere politische Organisation und sei sie noch so klein.

Der »Islamische Staat« unterhält bereits mitten in den kurdischen Gebieten eine feste Bastion. Gemeint ist die Islamische Bewegung Kurdistan, die der Bewegung der Muslimbruderschaft nahestand. In einem Prozess innerer Zerwürfnisse entstanden die salafistisch ausgerichteten Jund al-Islam (Soldaten des Islam) und die Ansar al-Islam (Helfer des Islam). Inzwischen gibt es eine Kurdische Islamische Front (KIF), die sich auch aus Kurden in der Provinz Aleppo rekrutiert.

Im Krieg in Syrien kämpfte die KIF zunächst an der Seite der Al-Nusra-Front und später auch des »Islamischen Staates in Irak und der Levante« (ISIS). Auch an Angriffen auf die kurdischen Volksverteidigungskräfte (PYD) in Syrien war und ist KIF beteiligt. Die in Syrien entstandene Partei der demokratischen Einheit (PYD) ist säkular und modern ausgerichtet, sie zeichnet sich besonders durch die Gleichberechtigung der Frauen aus, die sowohl politisch als auch militärisch kämpfen. Das verbindet sie mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die 1978 in der Türkei entstanden ist. In Europa, den USA und in der Türkei ist die PKK als »terroristische Organisation« verboten und wird verfolgt. Das Militärkommando der PKK sitzt im kurdischen Nordirak (Qandilberge), wo es vor wenigen Tagen ungewöhnlichen Besuch erhielt. Der kurdische Präsident Massud Barsani kam persönlich vorbei und verständigte sich mit den PKK-Kommandanten auf die militärische Zusammenarbeit beim Kampf gegen den »Islamischen Staat«. Barsani kennt die Stärke der PKK-Guerilla und weiß, dass die Wiedereroberung von Makhmour und die tatsächliche Rettung der Jesiden im Sindschar-Gebirge der PKK und der PYD aus Syrien zu verdanken ist.

Während die Peschmerga sich aus Sindschar vor den heranrückenden IS-Truppen zurückgezogen hatten, halfen PYD und PKK-Kämpfer den bedrängten Jesiden vom Sindschar herunter und führten sie über den Tigris zunächst nach Syrien. Von dort wurden sie zurück nach Dohuk gebracht. Manche Jesiden sind allerdings im irakisch-syrischen Grenzgebiet geblieben und haben inzwischen - mit Hilfe der PYD - einen eigenen militärischen Verteidigungsverband aufgestellt.

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