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Deutscher in China zum Tode verurteilt

Anklage wegen Doppelmordes

  • Von Andreas Landwehr, Peking
  • Lesedauer: 2 Min.

Zum ersten Mal ist ein Deutscher in China zum Tode verurteilt worden. Der 36-Jährige war wegen Doppelmordes an seiner ehemaligen Freundin und deren Lebensgefährten angeklagt. Sein Anwalt sagte am Mittwoch, das Mittlere Volksgericht der südostchinesischen Stadt Xiamen habe am Vortag das Urteil in erster Instanz gefällt. Es muss wie jedes Todesurteil vom Obersten Gericht in Peking bestätigt werden.

Der Mann aus dem oberbayerischen Teisendorf im Chiemgau hatte laut Anklage im Juni 2010 seine frühere Freundin aus Münchner Studententagen und deren neuen Freund auf offener Straße in Xiamen mit einem Hammer und einem Messer umgebracht. Der getötete Mann war auch Deutscher, während die Freundin in München studiert hatte, aber die venezolanische Staatsbürgerschaft besaß.

Das Gerichtsverfahren war vor drei Jahren schon abgeschlossen worden. Seit Sommer 2011 wartete der 36-Jährige auf das Urteil. Ob er in Berufung gehen wird, war unklar. Die Berufung muss innerhalb von zehn Tagen eingereicht und vom obersten Gericht der Provinz Fujian verhandelt werden.

Auf die Frage, ob der 36-Jährige hingerichtet wird, sagte sein Anwalt: »Es ist zunächst ein Urteil in erster Instanz.« Er versicherte, der Angeklagte sei keinen besonderen Handel mit dem Gericht eingegangen sei. »Das gibt es nicht.«

Der Deutsche war während des Verfahrens konsularisch betreut worden. Das Auswärtige Amt setzt sich grundsätzlich dafür ein, dass keine Todesstrafe verhängt wird, da diese in Deutschland abgeschafft und abgelehnt wird.

Als Motiv des Doppelmordes galt Eifersucht. Der Mann soll seine Ex-Freundin und deren Lebensgefährten in ein Luxushotel in Xiamen gelockt haben. Augenzeugen berichteten, maskiert in schwarzer Montur habe er den beiden auf der Straße aufgelauert und sie niedergemetzelt. Wie Zeugen berichteten, flehte die junge Frau noch auf den Knien um Gnade, bevor er sie umbrachte.

Täter und Ex-Freundin hatten in München Sinologie studiert. Sie trennte sich im Sommer 2005 von ihm. Er soll die Trennung nicht überwunden haben und begann sie zu verfolgen, berichteten Freunde. Er soll sie mehrfach bedroht haben. Die Frau habe sich sogar an die Polizei gewandt. 2006 ging sie zum Studium nach Xiamen. Es wurde spekuliert, das der Mann eigens nach China gereist war, um beide zu töten.

Sollte das Todesurteil vollstreckt werden, wäre der 36-Jährige der erste Deutsche, der in China hingerichtet würde. Der einzige Europäer, der in China jemals exekutiert worden ist, war 2009 ein gebürtiger Pakistani mit einem britischen Pass, der Rauschgift geschmuggelt hatte. dpa/nd

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