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Schafe und Rinder in Lichtenberg

Schritt für Schritt wurde für fünf Millionen Euro der Landschaftspark Herzberge gestaltet

Wo früher Güterzüge rangierten und Studenten in einem Zeltlager untergebracht waren, entstand eine Oase mitten in der Stadt. Seit zehn Jahren wächst in Lichtenberg der Landschaftspark Herzberge.

Der Überraschungseffekt für die Besucher ist groß: Auf dem weitläufigen Gelände zwischen Landsberger Allee, Allee der Kosmonauten, Rhin- und Siegfriedstraße entstand ein ganz besonderer Park. »Ein Areal, das Elemente der städtischen ökologischen Landwirtschaft und Biotope vereint sowie der Naherholung dient und ebenso Kulisse für Kulturveranstaltungen ist«, sagt Projektmanager Stephan Lübke.

Vor allem Lichtenberger haben die rund 100 Hektar große Fläche rund um das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge inzwischen für sich entdeckt. Sie joggen auf den alten oder neu angelegten Wegen, sitzen auf rustikalen Holzbänken oder gehen spazieren. Dabei kommen sie an vielen Weiden vorbei und erleben mitunter, wie die Pommerschen Landschafe umgesetzt werden. »Das Prozedere gehört zu den täglichen Ritualen«, erklärt Stephan Muus von der Agrarbörse Deutschland Ost e.V. Schließlich halten die rund 130 Tiere das Gras kurz. Manchmal muss er allerdings Spaziergänger auffordern, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. »Wir setzen gleich die Herde um«, sagt er dann. Die meisten Besucher bleiben danach sogar stehen, um das tierische Schauspiel mitten in der Stadt zu beobachten. »Wie schnell die rennen können«, wundert sich der fünfjährige Finn und versteckt sich vorsichtshalber hinter seiner Mutter.

Während Muus und ein paar Helfer - das sind sogenannte Benachteiligte, die der Verein Agrarbörse beschäftigt - die Herde auf eine frische, prall gefüllte Weide lotst, geht Projektleiter Lübke in den nördlichen Bereich der Anlage. Dort leben seit einigen Monaten drei Schottische Hochlandrinder. »Als Test, wir wollen sehen, wie die sich in unsere Bedingungen einfügen«, sagt er.

Bislang funktioniert das ganz gut. Die Tiere halten sich im hinteren Teil einer neu angelegten Waldweide auf. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich genau an dieser Stelle ein Stadion. Ab den frühen 1970er Jahren bis 1990 war dort ein Zeltlager der DDR-Jugendorganisation FDJ für den Studentensommer untergebracht. Danach passierte lange nichts und die Natur eroberte das Gelände zurück. Bis etwa vor zwei Jahren dieser Bereich ausgelichtet wurde, Weiden mit Unterständen sowie ein »Spielplatz für Zauneidechsen« mit Feldsteinen und Pflanzen entstand.

Wenn Stephan Lübke durch den riesigen Landschaftspark läuft, erfüllt ihn das mit stolz. »Es ist toll, dass aus unserer Vision der alternativen Bewirtschaftungsform von öffentlichem Grün Wirklichkeit wurde«, bekennt er. Mehr als fünf Millionen Euro, vor allem EU-Geld, flossen in den vergangenen zehn Jahren in das Modellprojekt.

Der Verein koordiniert und gestaltet das Gelände im Auftrag des Bezirksamtes Lichtenberg. »Die Aufteilung und Gestaltung der Flächen ist praktisch abgeschlossen«, sagt der Projektleiter. Nur die Flachbauten, die in der Vergangenheit junge Graffitisprayer verzierten, werden noch abgetragen. Auch dort sollen künftig Tiere weiden.

Im Vordergrund steht jetzt aber vor allem die inhaltliche Arbeit. So gibt es beispielsweise Überlegungen, eine kleine Herde Alpakas für Therapieangebote anzuschaffen. »Wir sind dazu mit dem benachbarten Krankenhaus im Gespräch«, sagt Lübke. Im Aufbau ist außerdem ein Netzwerk mit Naturpädagogen. Künftig soll es im Landschaftspark möglich sein, geführte Erlebnisse zu buchen: Dazu gehören Pflanzen- oder Gewässerwanderungen.

Schon zur Verfügung steht der auf der früheren Trasse der Industriebahn angelegte Fahrrad- und Spazierweg. Beliebt bei Parkbesuchern sind auch die 15 Stationen des Natur- und Gesundheitspfades entlang des ringförmigen Wegesystems. Interessante Details zur Geschichte des Geländes gibt es auf vielen Info-Tafeln. Wer weiß schon, dass sich dort einst die größte und modernste Gewächshausanlage Berlins befand: »Auf sechs Hektar überdachter Fläche arbeiteten hundert Gärtner an Zucht, Pflege und Schnitt von Nelken und Gerbera.«

Erstmalig gibt es am 30. August von 14 bis 19 Uhr »Herzberger Lichter« - Kultur in der Natur.

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