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Musik, zu der man lachen darf

Zum Tode des Komponisten Siegfried Schäfer

  • Von Jürgen Klammer
  • Lesedauer: 2 Min.

»80 will ich noch werden«, wünschte sich der Komponist, Komponist und zeitweilige Kabarettdirektor Siegfried Schäfer vor drei Jahren in einem Gespräch. Er hat es geschafft. Knapp acht Monate nach seinem 80. Geburtstag verstarb der Autor zahlreicher Kompositionen der leichten Muse, darunter ein Musical, nach langer Krankheit am 11. August an seinem Wohnort in Bad Harzburg. Dass er überhaupt so alt geworden ist, grenzt bei dem überaus intensiven Leben des Vollblutmusikers schon an ein Wunder und ist seiner Kämpfernatur geschuldet.

Der gebürtige Leipziger studierte nach dem Abitur Chor- und Ensembleleiter an der Musikhochschule Dresden, arbeitete für ein Jahr als Kulturfunktionär beim Zentralrat der FDJ in Berlin und ging 1958 als Musikredakteur in der Abteilung Tanzmusik zum Deutschlandsender. Dort vertonte und arrangierte er mehr als zehn Jahre lang Hunderte von Texten für diverse Funk- und Fernsehkabaretts (»Aktuelle Ätherwelle«, »Spitzenparade«, »Spaß am Spaß«, »Tele-BZ«) und hob u.a. die Fernsehsendung »Klock acht, achtern Strom« mit aus der Taufe.

Nahezu alle bekannten singenden Schauspieler der DDR, wie Helga Hahnemann, Ingeborg Krabbe, Rolf Herricht, Herbert Köfer und Gerd E. Schäfer gehörten zu den Interpreten seiner Lieder. Bereits 1959 gründete er die Siegfried-Schäfer-Combo, die neben zahlreichen Rundfunk- und Fernsehauftritten auch über viele Jahre hinweg als »Protokollband« für Partei- und Staatsempfänge fungierte. Fast nebenbei schrieb er 1969 das Erfolgsmusical »Verlieb dich nicht in eine Heilige« (Text: C.U.Wiesner).

Von 1975 bis 1977 war Siegfried Schäfer musikalischer Leiter des Berliner Kabaretts »Distel«. Anschließend gründete er in Magdeburg das Kabarett »Kugelblitze«. Nach zwei erfolgreichen Jahren mit politisch brisanten und zum Teil verbotenen Programmen widmete er sich erneut seiner Arbeit als freier Komponist, Arrangeur und Orchesterleiter.

Mit dem Mauerfall begann für den erfolgsverwöhnten Musiker eine ungewisse Zeit. Er tingelte als Pianist von Lokal zu Lokal, bis Wolfgang Gruner ihn 1992 für die »Stachelschweine« verpflichtete. Für das älteste Berliner Kabarett wirkte er acht Jahre erfolgreich als musikalischer Leiter. Dort fand er mit der Sängerin Ingeborg Calließ auch seine ganz große Liebe. Nach all den aufregenden Berliner Jahren zog sich das Ehepaar 1998 in die Beschaulichkeit von Bad Harzburg zurück.

Jürgen Klammer ist Kabaretthistoriker mit dem Schwerpunkt DDR-Kabarett.

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