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Klang kann man sehen

Installation im Meinblau

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In seiner Installation »Moondur/Shifter« erzeugt der estnische Künstler Raul Keller eine mächtige Klangsäule, deren Fuß und Kopf man mit dem Auge erfassen und deren Ausdehnung man über den eigenen Körper spüren kann. Zwischen einem schwarzen Kreis etwa einen Meter über dem Boden und einem schwarzen Quadrat in sechs Metern Höhe, das sicher nicht zufällig an Kasimir Malewitschs »Schwarzes Quadrat« erinnert, pulsieren Klangwellen. Man kann sie mit dem Auge ausmachen, weil sie die schwarzen Begrenzungen zum Vibrieren bringen.

Die Kausalitätsverhältnisse liegen natürlich genau andersherum. Schwarzer Kreis und schwarzes Quadrat sind Klangmembranen, überdimensionale Teile von Lautsprechern, über die Tiefbassklänge in den Raum gestrahlt werden.

Raul Keller hat den kompletten Monat Juli in einer Residenz im Projektraum Meinblau daran gearbeitet, die Klänge auszuwählen, die Entfernungen zu justieren, die Größenverhältnisse zu bestimmen und mit der Beschichtung der Klangmembran zu experimentieren.

Diese Projektresidenz ist ein neues Format der »Singuhr/Hörgalerie«. Dieses verdienstvolle Projekt hat seine angestammten Räume - zuerst die Parochialkirche, später die alten Wasserspeicher im Prenzlauer Berg - verlassen und mietet sich nun jeweils einen Monat pro Jahr mit einem Künstler im »Meinblau« ein. Das jedenfalls ist das Vorhaben von Carsten Seiffarth, dem Kurator dieses Projekts und Gründers und Betreibers der »Singuhr«. »Die lange Zeit kommt sicher nicht jedem Künstler entgegen. Manchmal ist es auch gut, schnell alles aufzubauen. Aber für Projekte wie dieses, die den Begriff Raumkunst ernst nehmen, waren diese vier Wochen sehr wichtig«, resümiert Carsten Seiffarth gegenüber »nd«.

Für die Klangsäule von »Moondur/Shifter« wurde sogar noch ein Portal in den Raum gebaut, so dass die kleine Kuppel mit dem Oberlicht eine harmonische Fassung für die Klangskulptur bildet. Interessant sind auch die Wahrnehmungsverschiebungen, die sich durch unterschiedliche Positionen im Raum - auf dem Fußboden im Erdgeschoss und auf der Empore - ergeben. Lauschende Menschen auf diesen beiden Ebenen bilden so eine neue Komponente des Projekts.

In der Installation geht es Keller um alle Arten verschobener Wahrnehmung. »Moondur« bedeutet im Estnischen »Verschiebung«. Sie kann sich als Verschiebung vom akustischen ins visuelle Feld artikulieren, aber auch ganz im akustischen Feld beheimatet sein.

An den vier unteren Ecken sind kleine Lautsprecher angebracht, die den Klang der Klangsäule, der von einem Mikrofon in deren Nähe aufgenommen wird, in den Raum zurückstrahlen. Diese Geräusche kann man nur spüren und hören. Sie wirken wie die Nebenspielplätze des visualisierten Klangs, sind aber auch eine weitere Verschiebung. Ein kleines, feines, kompaktes und gut durchdachtes Projekt.

Meinblau, Pfefferberg, Christinenstr. 18/19, Di-So 14-19 Uhr, bis 31.8.

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