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Der »strategische Plan« der kolumbianischen Rechten

Inhaftierter Hacker schildert Praktiken des Lagers um den ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe, das den Friedensprozess stoppen will

  • Von David Graaff, Bogotá
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Hacker, der für die Partei Centro Democrático um Expräsident Alvaro Uribe arbeitete, hat brisante Details über seine Auftraggeber und ihre Versuche enthüllt, den Friedensprozess zu hintertreiben.

Andrés Sepúlveda lebt gefährlich. Seit der Computerspezialist begonnen hat, den Ermittlern über seine Aufgaben in der Wahlkampfkampagne der Partei Centro Democrático (CD) zu berichten, hat er sich mächtige Feinde gemacht. CD ist die neue Partei des früheren Präsidenten und rechten Hardliners Álvaro Uribe.

Vier Pläne, den Hacker zu töten, wurden gerade noch rechtzeitig aufgedeckt. In seiner Zelle in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Hauptstadt Bogotá schläft er mit schusssicherer Weste und Decke. Wenn er zum Verhör bei der Staatsanwaltschaft gebracht wird, begleiten ihn bis zu 50 Sicherheitskräfte.

Die Behörden werfen Sepúlveda unter anderem vor, die Kommunikation der Verhandlungsdelegationen der Regierung und der FARC-Guerilla abgefangen zu haben, die derzeit in Havanna über ein Ende des bewaffneten Konflikts im Land verhandeln. Weil er auf Strafminderung hoffen kann, hat Sepúlveda nun begonnen, den Ermittlern seine Aufgaben zu beschreiben und vor allem die Auftraggeber zu nennen. Und auch den Medien hat er sich jetzt erstmals gestellt. In einem Anfang der Woche in der Zeitschrift »Semana« veröffentlichten Interview gibt der Hacker hochbrisante Details preis.

So habe er vom Leiter des Wahlkampfteams ausdrücklich den Auftrag erhalten, Geheiminformationen über die Friedensverhandlungen und über Politiker der Regierung sowie der Linken auszuspionieren. Diese Informationen seien unter anderem von Altpräsident Uribe dazu benutzt worden, den Friedensprozess oder dessen Unterstützer öffentlich in Misskredit zu bringen. Das Uribe-Lager lehnt die von der Regierung des jetzigen Präsidenten Juan Manuel Santos Ende 2012 aufgenommenen Verhandlungen mit der FARC-Guerilla als »Verrat am Vaterland« ab.

Im Gespräch mit den Journalisten sagte Sepúlveda, die Rechte verfolge einen »strategischen Plan«, dessen Ziel es sei, den Friedensprozess um jeden Preis und »ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen medial und militärisch zum Scheitern zu bringen«. Zu diesem Zweck habe er unter anderem enge Verbindungen zum Geheimdienst DNI gepflegt. Die zu Jahresbeginn aufgedeckte Aktion »Andrómeda« des Militärgeheimdienstes CITEC soll der Rechten mittels Spionage erbeutete Informationen über die Friedensgespräche in Havanna bereitgestellt haben.

Sepúlveda behauptet zudem, ein Teil der Armee sei notfalls bereit, auf Frieden im Land mit dem Aufbau einer illegalen bewaffneten Gruppierung zu reagieren. Eine Methode, die in Kolumbien in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehrfach erfolgreich angewandt wurde. Von Unternehmern, Armee und rechten Politikern aufgebaute paramilitärische Gruppen gingen mit brutalen Mitteln nicht nur gegen die Guerilla, sondern auch gegen Linkspolitiker, Gewerkschafter und die Zivilbevölkerung vor. Tausende fielen diesen »Todesschwadronen« zum Opfer.

Präsident Juan Manuel Santos sagte am Montag, bei der Lektüre des Interviews sei ihm ein Schauer über den Rücken gelaufen. Die Aussagen seien »enorm heikel«. Die Methoden der Opposition gefährdeten den Rechtsstaat und die Demokratie im Land.

Expräsident Álvaro Uribe stritt die Vorwürfe Sepúlvedas ab, seine Aussagen seien unglaubwürdig. Dies scheint die Staatsanwaltschaft anders zu sehen und hat sich mit dem Angeklagten laut Berichten kolumbianischer Medien vom Montag auf einen Deal geeinigt, nach dem Sepúlveda mit einer Strafminderung rechnen kann, sollte er weiter detailliert aussagen. Offenbar kann er sich dabei auf umfangreiches Beweismaterial stützen. Er wird wohl auch weiterhin mit einer schusssicheren Weste schlafen müssen.

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