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»Tötende Serientäter«

Mexikanische Bergbauindustrie gerät nach neuem Unfall immer mehr in Verruf und könnte erstmals mit hohen Strafen belangt werden

  • Von Gert Goertz, Mexiko-Stadt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die mexikanische Bergbauindustrie hat einen denkbar schlechten Ruf: Gewinne privatisieren, Umweltschäden sozialisieren. Das Unternehmen Buenavista del Cobre lieferte gerade ein neues Beispiel.

Es war kein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Vielmehr handelte es sich um mindestens 40 Millionen Liter Sulfatsäure. Diese ergossen sich am 6. August aus einem Rückhaltebecken der Kupfermine des mexikanischen Bergbau-Unternehmens Buenavista del Cobre im Bundesstaat Sonora direkt in einen Fluss. Dutzende Kilometer verseuchter Flussläufe, Hautverätzungen bei Menschen, die mit dem Wasser in Berührung kamen und zahlreiche geschlossene Trinkwasserbrunnen sind die unmittelbare Folge. Das ganze Ausmaß der Umweltkatastrophe wird erst nach und nach sichtbar. Die ersten Hinweise kamen aus der Bevölkerung. Das Unternehmen meldete den Vorfall erst mit zwei Tagen Verspätung.

Die Bergbauindustrie in Mexiko gerät so einmal mehr ins Visier der Öffentlichkeit. Der nachsichtige Umgang der Behörden mit ihr ebenso. Buenavista de Cobre gehört zur Grupo México, größter nationaler, privater Bergbaukonzern. Der Konzern geriet spätestens 2006 nach einem Grubenunglück in der Mine Pasta de Conchos in Verruf. Mit dem Hinweis auf technische Schwierigkeiten weigerte er sich, nach den verschütteten Bergleuten zu graben. Die Regierung gab Rückendeckung. Für 63 Bergleute blieb der Schacht damit ein sicheres Grab.

Seitdem hat es nach Zählungen von Nicht-Regierungsorganisationen und Angehörigen der Opfer bei zahlreichen kleineren Unfällen im Bergbausektor mehrere Hundert weitere Todesfälle gegeben. Anfang August dieses Jahres schilderte der Anwalt Rodrigo Olivera Briseño als Repräsentant der Organisation Familia Pasta de Conchos vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission die Situation: Im ganzen Land gebe es kein einziges Unternehmen, keinen Investor oder ein Vorstandsmitglied, das wegen der Industrieunfälle mit größeren Sanktionen belegt, geschweige denn strafrechtlich belangt worden sei. Noch deutlicher wurde vor wenigen Tagen Bischof Raúl Vera López, der die Familienangehörigen der Bergbauopfer seit Jahren begleitet. Die zahlreichen Unglücke in verschiedenen Landesteilen belegten, dass es sich um »Serientäter« handele, die »ungestraft Menschen töten dürfen«. Die staatlichen Autoritäten müssten durchgreifen und den verantwortlichen Bergbau-Unternehmen Konzessionen entziehen. »Es reicht uns«, so der Bischof.

Die Gewinne sind für nationale wie internationale Konzerne im mexikanischen Bergbausektor enorm. Löhne und Sicherheitsstandards dagegen oft extrem niedrig. Den Behörden fehlt es einerseits an ausreichend Personal, um die Bedingungen vor Ort zu überprüfen. Andererseits aber am Willen. Die Gesetzgebung ist äußerst vorteilhaft für die Konzerne. Neue Konzessionen werden am laufenden Band vergeben.

Nun ist von einer »beispiellosen« Strafe von umgerechnet etwa 2,3 Millionen Euro für die Filiale von Grupo México die Rede. Dazu könnten hohe zweistellige Millionenbeträge für die Schadensbeseitigung kommen. Würde dies in vollem Umfang durchgesetzt, wäre das ein Novum in Mexiko. Eine Schließung von Buenavista del Cobre schloss der Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villareal mit Hinweis auf das Arbeitsplatzargument aus. Gleichzeitig rechnete die Tageszeitung »El Universal« in ihrer Ausgabe vom 28. August anhand offizieller Unternehmenszahlen den Gewinn des Konzerns vor. Er betrug allein in den ersten sechs Monaten 2014 die stolze Summe von 885 Millionen US-Dollar (ca. 680 Millionen Euro). Und während Grupo México seine Verantwortung und potenzielle Strafen noch kleinzureden versucht, ist es der Bundesstaat Sonora, der die ersten Millionen für die Umweltsanierung aus Haushaltsmitteln finanziert.

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