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Ganz anders wirtschaften

In Leipzig treffen sich Kritiker der Wachstumslogik

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Wachstumsskepsis ist in vieler Munde: bei Politikern unterschiedlichster Couleur, bei Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern, bei Umweltschützern sowieso, bei Globalisierungskritikern und in der »linken Szene«. Sie meinen oft unterschiedliche Dinge und verfolgen zum Teil konträre Ziele. Was sie eint, ist die Kritik an einer Politik, die auf Wirtschaftswachstum als Allheilmittel für die Lösung gesellschaftlicher Probleme setzt. Meist wird auch kritisiert, dass das bestehende Wirtschaftssystem einen fatalen Zwang in sich trägt, immer weiter zu wachsen.

Solche Ansichten sind nicht neu. Selbst in der klassischen bürgerlichen Ökonomie wurde schon darauf hingewiesen, dass es kein ewiges Wachstum geben kann. Und John M. Keynes sagte für die fortgeschrittenen Industriestaaten eine dauerhafte Wachstumsabschwächung voraus und gab konkrete politische Handlungsempfehlungen. Besonders groß sind die Anknüpfungspunkte zur Umweltbewegung, denn Wirtschaftswachstum führt zu Naturzerstörung und es ist ein Fakt, dass alle natürlichen Ressourcen endlich sind. Kein Wunder, dass die 1972 erschienene Bibel der Umweltbewegung den Titel trug: »Die Grenzen des Wachstums«.

Eine breite Wachstumsdebatte entstand aber erst im Zuge der Weltfinanzkrise ab 2007. Diese zeigte, dass die kapitalistische Wirtschaft auf einem wackligen monetären Fundament steht und aus Wachstum schnell tiefe Rezession werden kann. Es begann das Nachdenken über ein »gutes Leben jenseits des Wachstums«. Nun gibt es Bestrebungen, Wohlstand anders zu ermitteln als mit der Kategorie Bruttoinlandsprodukt und Debatten darüber, wie eine »Postwachstumsgesellschaft« aussehen könnte. Immer mehr Menschen schließen sich Initiativen an, bei denen ein anderes Wirtschaften etwa durch Nutzung von Gemeingütern praktiziert wird. Im Aufwind ist auch die »Sharing Economy«, bei der es um Teilen statt Besitzen geht.

Es gibt aber nicht nur solche eher linken Ansätze. So wird in neoliberalen Kreisen die Wachstumskritik dazu benutzt, die Unfinanzierbarkeit des Sozialstaates an die Wand zu malen. Gefragt sind auch Ökonomen, die den Zins als Ursache aller Probleme ansehen und damit esoterischen wie ultrarechten Ideen Vorschub leisten.

In linken Kreisen sammelt man sich unter einem Logo: Zunächst wurde in Frankreich der Begriff »décroissance« (Wachstumsrücknahme, Entschleunigung, Abnahme) benutzt. Als sich die Bewegung internationalisierte, übersetzte man ihn in das englische Kunstwort »degrowth«. Darunter firmieren die seit 2008 stattfindenden Konferenzen - auch in diesem Jahr in Leipzig. Die Nachfrage war hier so groß, dass die Tagung längst ausgebucht ist. Wer wichtige Veranstaltungen verfolgen will, kann das aber auch via Internet-Livestream tun unter: leipzig.degrowth.org/de.

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