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Schnellschuss wider Willen

Die erste Trainerentlassung der Saison trifft mit Falko Götz ausgerechnet den Coach im sonst ruhigen Aue

  • Von Tina Hofmann, Aue
  • Lesedauer: 3 Min.
Früher galt Aue als ruhiger Arbeitsort in der Trainerbranche. Gerd Schädlich arbeitete immerhin über acht Jahre im Lößnitztal. Doch seit 2008 flogen fünf Trainer raus. Der Letzte heißt Falko Götz.

Falko Götz wurde zweimal als Retter gefeiert. Trotzdem muss der Fußballtrainer den FC Erzgebirge Aue nach nur vier Spieltagen der neuen Saison verlassen. Der Vorstand des Zweitliga-Schlusslichtes beschloss am Dienstag, den 52-jährigen sofort von seinen Aufgaben zu entbinden. Nicht nur die vier Niederlagen in Serie, sondern vor allem das Auftreten der Mannschaft waren der Grund für die schnelle Trennung.

»Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Schnellschüsse mache. Falko Götz zu beurlauben, ist mir sehr schwer gefallen«, sagte Aues Präsident Lothar Lässig am Dienstag. »Er war ein Trainer, der zu uns gepasst hat. Er hat zweimal den Klassenerhalt geschafft, für Aue ist das eine herausragende Leistung.« Der bisherige Co-Trainer Rastislav Hodul wurde von seinen aktuellen Aufgaben ebenfalls entbunden, Lässig bot ihm jedoch die Betreuung der U23-Mannschaft an. »Es ist seine Entscheidung, ob er es annimmt«, so der Präsident.

Lässig betonte, wer der Boss im Verein ist: »Solange ich hier Präsident bin, entscheide ich. Der Aufsichtsrat ist nur ein Kontrollgremium.« Aufsichtsrat Frank Vogel hatte nach der Niederlage gegen Düsseldorf Konsequenzen angekündigt. Mit diesem Vorgehen fühlte sich Sportvorstand und Vizepräsident Jens Stopp übergangen und trat von seinen Ämtern zurück. Er war formell für den sportlichen Bereich zuständig, denn seit März 2013, als Steffen Heidrich beurlaubt wurde, gab es keinen Sportdirektor mehr. Götz hatte somit die Entscheidungsgewalt über die Transfers selbst in der Hand. Die Wintertransfers 2014 überzeugten noch. Den Neuzugängen im Sommer gelang dies aber kaum.

»Ich bin immer noch überzeugt, dass die Neuzugänge einschlagen werden«, meinte Lässig: »Es ist nichts verloren, wir haben noch 30 Spiele vor uns. Hier kann ein Neuanfang gemacht werden.« Es sei genug Zeit, »dass unsere bekannten Tugenden mit einem neuen Trainer zurückkommen. Und wenn nicht, haben wir genug Geld, um im Frühjahr noch einmal nachzulegen.« Nachwuchstrainer Steffen Ziffert übernimmt vorerst die erste Mannschaft. Ein neuer Trainer steht noch nicht fest, »auch keine Namen. Wir machen keine Schnellschüsse«, betonte Lässig erneut. Zunächst will er sich mit erfahrenen ehemaligen Spielern beraten, um bei der Trainerwahl nicht daneben zu liegen.

Ziffert und Robin Lenk, der bisher die U23 betreut, leiteten am Dienstag das Training. »Man hat gesehen, dass die Köpfe nicht frei sind. Wir können jetzt nur versuchen, in den Einheiten den Spaß wieder mit reinzubringen«, sagte Lenk. Ziffert und auch Lässig wissen aber, dass unabhängig vom Trainer, die Mannschaft sich selbst aus der bedrohlichen Lage befreien muss. »Ich habe die älteren Spieler in die Verantwortung genommen«, sagte Lässig. Wenn ein neuer Trainer schnell gefunden ist, wäre es laut Lässig sogar möglich, dass sich Aue noch vor der nächsten Ligapartie am 13. September bei Aufsteiger SV Darmstadt 98 in ein Trainingslager begibt.

Nach einem Saisonstart, den sich die Auer nach dem 0:1 in Nürnberg noch schönredeten, folgten die 1:5-Heimpleite gegen den VfL Bochum, die 0:1-Niederlage in Leipzig und am vergangenen Samstag das 0:3 gegen Fortuna Düsseldorf. Vor allem bei den beiden Auftritten im eigenen Stadion präsentierte sich die Mannschaft desolat.

Dabei hatte der sächsische Zweitligist nach der furiosen Vorsaison, als frühzeitig im April der Klassenverbleib gefeiert wurde, neue Begehrlichkeiten geweckt. Die Abgänge von Jakub Sylvestr (1. FC Nürnberg) und Guido Kocer (Genclerbirligi Ankara) sicherten mit Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro zwar den begrenzten Etat ab, sportlich kompensiert wurden sie indes nicht. dpa/nd

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