Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Islamischer Staat droht Putin

Terrororganisation will den Dschihad auf den russischen Nordkaukasus ausdehnen

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.
In den Reihen des Islamischen Staates (IS) sollen bereits 2000 Bürger Russlands kämpfen. Moskau sieht den IS als »tödliche Gefahr«.

Das Video ist echt und inzwischen von der russischen Aufsichtsbehörde für Telekommunikation Roskomnadsor gesperrt - es könnte schlafende Hunde wecken. Denn die Führung der Terrororganisation Islamischer Staat droht darin, den Dschihad - den Heiligen Krieg gegen »Ungläubige« - auch auf den russischen Nordkaukasus auszudehnen. Was russische Geheimdienstler dabei besonders verstört: Die Extremisten verfügen offenbar über eine Art Luftwaffe. Denn das Video wurde im Cockpit eines - fliegenden - Kampfjets aufgenommen.

Ein weiteres wurde in einem Auto gedreht und enthält persönliche Drohungen an Kremlchef Wladimir Putin. »Dein Thron«, so der Originalton, »wankt bereits. Er wird bei unserer Ankunft endgültig fallen.« Und weiter: »Wisse, o Wladimir Putin, dass wir die Flugzeuge, die Du Baschar (al-Assad - die Red.) geschickt hast, durch die Gnade Allahs jetzt gegen Dich selbst einsetzen werden.«

Zwar schoss Tschetschenen-Präsident Ramzan Kadyrow umgehend verbal zurück: Wer es wagt, Russland zu bedrohen und den Namen des Präsidenten so im Munde zu führen, tönte er in seinem Instagram-Account, werde dort »liquidiert«, wo er die Tat beging. In Syrien oder in Irak also. Kadyrow rechnet offenbar auf Unterstützung der mehrere Millionen zählenden tschetschenischen Diaspora im Nahen Osten.

In Tschetschenien selbst, sagte er bei Radio Echo Moskwy, würden die Extremisten nicht Fuß fassen können. Bei den Restbeständen der Untergrundkämpfer in den Bergen handle es sich nicht um Gotteskrieger, sondern um »gewöhnliche Kriminelle ohne Ideale«.

Die anderen Herrscher im russischen Nordkaukasus haben ihre Gebiete weniger fest im Griff, kämpfen mit hoher Arbeitslosigkeit und anderen sozialen Problemen sowie ungelösten ethnischen Konflikten zwischen Volksgruppen, die zur Sowjetzeit in künstlichen Verwaltungseinheiten zwangsvereinigt wurden. Um der Misere daheim zu entgehen, kämpfen junge Männer aus der Region, vor allem aus Dagestan, seit Ende der Sowjetunion weltweit - von Afghanistan über Kosovo bis zum Maghreb - für ein Kalifat: einen sozial gerechten islamischen Gottesstaat,

Die Terrororganisation Islamischer Staat ist für Michail Margelow, Chef des Außenpolitischen Ausschusses im Senat, eine »tödliche Gefahr« nicht nur für Moskau, sondern für ganz Europa. In seinen Reihen würden derzeit bereits über 2000 Bürger Russlands kämpfen. Darunter auch aus den muslimischen Regionen an der Wolga, wo extremistische Seitenrichtungen des Islam bisher nicht salonfähig sind.

Auf einer IS-Karte mit Gebieten, in den das Terrornetzwerk aktive Gruppen unterhält, sind Kaukasus und Wolga fett schraffiert dargestellt. IS-Zellen, so Alexander Ignatenko vom Institut für Religion und Politik gegenüber der Moskauer Tageszeitung »Nesawissimaja Gaseta«, würden im gesamten, religiös durchmischten Süden Russlands tätig sein. Auf ihr Konto gehe unter anderem der Doppelanschlag in Wolgograd Ende vergangenen Jahres.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln