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Bildungsgraben bleibt tief

OECD-Bericht: Deutschland hinkt bei der Bildungsexpansion hinterher

Der Bildungserfolg in Deutschland hängt nach wie vor stark von der sozialen Herkunft ab. Zu diesem Ergebnis kommt der am Dienstag veröffentlichte OECD-Bildungsbericht 2014
Eine OECD Studie belegt wieder einmal, dass in Deutschland der Bildungsgrad mit der familiären Herkunft izusammenhängt.
Eine OECD Studie belegt wieder einmal, dass in Deutschland der Bildungsgrad mit der familiären Herkunft izusammenhängt.

In Deutschland streben so viele junge Menschen wie nie zuvor einen Hochschulabschluss an. Gleichzeitig ist der Zugang zu höherer Bildung weiterhin eng an den Bildungsgrad und die soziale Situation des Elternhauses gekoppelt. Diesen Zusammenhang, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem aktuellen Bericht »Bildung auf einen Blick«, gebe es zwar in allen mehr als 30 Ländern, die die Organisation unter die Lupe genommen habe, sei aber in Deutschland besonders ausgeprägt. Die soziale Bildungshürde sei in Deutschland in den vergangenen Jahren sogar noch höher geworden. Und: Deutschland ist eines der wenigen Industrieländer, in denen die sogenannte Bildungsmobilität nach oben geringer ausgeprägt ist als jene nach unten.

Im Klartext: Es gibt in Deutschland vergleichsweise wenige Bildungsaufsteiger, dafür viele, die schlechtere Bildungsabschlüsse als ihre Eltern erreichen. Im OECD-Durchschnitt gelinge rund einem Drittel der jungen Menschen der Bildungsaufstieg, lediglich 16 Prozent erreichten nicht den Bildungsstand ihrer Eltern. In Deutschland ist es faktisch umgekehrt – ein Befund, der nur noch auf Estland, Norwegen und Schweden zutrifft. Für Schülerinnen und Schüler aus ärmeren Familien bleibe das Versprechen »Aufstieg durch Bildung« häufig in weiter Ferne, kritisierte der Leiter des Berliner OECD-Centers, Heino von Meyer.

Die Entwicklung beeinflusst auch eine andere Statistik. So verfügen mittlerweile laut der OECD zwar 28 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland über eine Studienabschluss, im OECD-Schnitt sind es dagegen 33 Prozent. Der Abstand ist in den vergangenen Jahren allerdings geringer geworden, was hauptsächlich auf die Akademisierung von zahlreichen Berufen in Deutschland zurückzuführen sein dürfte. So gibt es mittlerweile z.B. Bachelor-Studiengänge für angehende Erzieherinnen und andere Berufsgruppen, die vorher im Bereich der Dualen Berufsausbildung angesiedelt waren; zudem öffnen sich die Hochschulen in Deutschland zunehmend Personengruppen ohne Abitur oder einer ähnlichen Hochschulzugangsberechtigung.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verteidigte vor Medienvertretern am Dienstag das deutsche Bildungssystem gegen die Kritik der OECD-Autoren. Mit dem Studium und der beruflichen Bildung stünden hierzulande jungen Menschen »zwei gleichwertige Alternativen zur Verfügung«, sagte sie. Beide böten »optimale Möglichkeiten für die berufliche Zukunft«.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warf der Bundesregierung indes Augenwischerei vor. Der Bericht mache deutliche, dass die Bundesregierung zu wenig Geld in das Bildungswesen investiere, kritisierte der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller. »Noch immer investiert Deutschland ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts weniger in Bildung als im OECD-Durchschnitt.« Der GEW-Hochschulexperte forderte eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen, um die finanziellen Herausforderungen für den Bildungsbereich zu stemmen. »Dafür muss das Kooperationsverbot fallen – und zwar komplett und sofort«, betonte Keller. Eine nachhaltige Bildungsfinanzierung müsse bei der anstehenden Reform der Bund-Länder-Finanzbeziehungen oberste Priorität haben.

Das 2006 beschlossene Kooperationsverbot untersagt dem Bund weitestgehend Investitionen im Bildungsbereich.

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