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Altenpfleger fordern fairen Lohn

Beschäftigte des Seniorenzentrums Albert Schweitzer erhalten 21,9 Prozent unter Tarif

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Angesichts eines drohenden Mangels an Altenpflegern ist eine bessere Entlohnung geraten. Der Kreis Elbe-Elster sperrt sich aber gegen zehn Prozent mehr Lohn in drei kreiseigenen Seniorenheimen.
Protest der Beschäftigten am Heim in Doberlug-Kirchhain
Protest der Beschäftigten am Heim in Doberlug-Kirchhain

Gegenwärtig sind 96 000 Brandenburger pflegebedürftig. Es wird erwartet, dass ihre Zahl bis zum Jahr 2030 auf 162 000 steigt. Das wären dann sieben Prozent der Bevölkerung. Der Personalbedarf der Pflegeheime und Pflegedienste würde dadurch von jetzt 28 900 auf rund 54 000 steigen. »Wer auch in Zukunft noch genug Fachkräfte in der Pflege haben will, muss sie besser bezahlen«, sagt Sozialminister Günter Baaske (SPD).

Eine Lohnerhöhung um zehn Prozent wünscht sich die Gewerkschaft ver.di für die 280 Beschäftigten der Seniorenzentrum Albert Schweitzer gGmbH. Bislang vergeblich. »Wir haben den Eindruck, dass die Tarifverhandlungen erst durch einen Streik erzwungen werden müssen«, bedauert ver.di-Sekretär Ralf Franke.

Die gemeinnützige Gesellschaft pflegt über 500 Senioren in Elbe-Elster, die größtenteils in einem Seniorenheim leben, zum Teil aber auch zu Hause wohnen und dort aufgesucht werden oder in Einrichtungen der Tagepflege kommen. Die drei Altenheime des Unternehmens in Herzberg, Finsterwalde und Doberlug-Kirchhain haben Platz für zusammen 360 alte Menschen. Außerdem organisiert das Heim in Doberlug-Kirchhain den Hausnotruf für eine benachbarte Seniorenwohnanlage.

»Engagierte und motivierte Mitarbeiter sind in unserem sensiblen Dienstleistungsbereich das wertvollste Kapital«, lässt die kreiseigene gGmbH wissen. Von »angemessenen Entgelten« ist da die Rede. Viele Beschäftigte sind aber unzufrieden mit ihrer Bezahlung. 2008 gab es die letzte Lohnerhöhung und seitdem sind die Lebenshaltungskosten um zehn Prozent gestiegen, wie Franke erinnert. Ver.di fordert deshalb, zehn Prozent draufzulegen - rückwirkend ab Januar. Dem Aufruf zu einer Protestkundgebung in der Mittagspause folgten am Montag 50 Mitarbeiter des Seniorenheims Am Kleinhof 2 in Doberlug-Kirchhain. Am Dienstag wiederholte sich dies am Herzberger Heim in der Clara-Zetkin-Straße 2.

Der Kreis Elbe-Elster sei an einer angemessenen Bezahlung in seinen Betrieben und Einrichtungen interessiert, beteuert die Kreisverwaltung. Deshalb verschließe man sich auch nicht Tarifgesprächen, die laut Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) Ende September beginnen sollen. »Meiner Meinung nach muss dies aber mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein geschehen«, wehrt der Landrat den Wunsch nach zehn Prozent mehr Lohn ab. Wer »ungeniert« derartiges verlange, habe »den Blick für die Realitäten verloren« und setze Arbeitsplätze »leichtfertig« aufs Spiel. Von 2008 bis 2013 habe es jährliche Sonderzahlungen gegeben - in Summe über eine halbe Millionen Euro. Doch ein solcher Betrag müsse erst einmal erarbeitet werden, um ihn verteilen zu können, erklärt Heinrich-Jaschinski. Bei Verhandlungen über die Pflegesätze werde mit einer durchschnittlichen Vergütung der Altenpfleger in Höhe von 39 000 Euro im Jahr kalkuliert. Die Bezahlung bei der Albert Schweitzer gGmbH liege deutlich darüber. Das Geld für noch mehr Lohn wäre eventuell durch die Alten und ihre Angehörigen aufzubringen. Dann bestünde die Gefahr, dass diese in günstigere Heime wechseln. Es gebe schon heute für das Schweitzer-Seniorenzentrum keine Wartelisten mehr, gibt der Landrat zu bedenken.

»Es mag sein, dass das Seniorenzentrum nicht der schlechteste Arbeitgeber ist«, räumt Ralf Franke ein. Das Lohnniveau liege aber unter dem von Caritas und Diakonie, und zum Tarif für den öffentlichen Dienst gebe es einen Rückstand von 21,9 Prozent. Keineswegs sei es so, dass sich kommunale Altenheime den Tariflohn einfach nicht leisten können, betont Franke. In Eisenhüttenstadt und in Frankfurt (Oder) gebe es je ein städtisches Altenheim, die ihren Mitarbeitern diesen Tarif zahlen. Einen Flächentarif für die Pflegebranche gebe es nicht, sagt Franke.

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