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Ringen ist jetzt viel einfacher zu verstehen

Karl-Martin Dittmann ist neu im Präsidium des Weltverbands und will weitere Veränderungen anschieben

Karl-Martin Dittmann ist seit dem Jahr 2000 Generalsekretär beim Deutschen Ringer-Bund. Bei der laufenden WM in Taschkent wurde der 53-jährige gebürtige Dortmunder für zwei Jahre ins Präsidium des gerade umbenannten Weltverbands United World Wrestling gewählt. Mit Oliver Händler sprach Dittmann über seine Ziele, aktivere Athleten und Änderungspläne eines umtriebigen Verbandspräsidenten.

nd: Sie wurden ins Präsidium des Weltverbands gewählt. Was wollen Sie dort erreichen?
Dittmann: Es gibt noch keine genaue Positionsverteilung. Mit unserem Präsidenten Nenad Lalovic aus Serbien arbeite ich seit Jahren eng zusammen. Ich hoffe, ihn mit meiner Arbeit im Präsidium noch mehr unterstützen zu können. Wer welcher Kommission vorsitzen wird, ist aber noch nicht geklärt.

Lalovic wurde per Akklamation als Präsident bestätigt. Er scheint beliebt zu sein im Verband.
Wir waren grundsätzlich froh, dass im Februar 2013 nach der Warnung des Internationalen Olympischen Komitees [IOC], dass Ringen aus dem olympischen Programm fallen könnte, Lalovic den Schweizer Raphaël Martinetti ablöste. Die Strukturen sind seitdem viel demokratischer. Man hört viel mehr Meinungen der Einzelverbände. Früher wurde meist abgewatscht, wenn man mal neue Vorschläge einbrachte. Jetzt kann jeder mitwirken. Dass nicht immer die eigene Meinung durchkommt, ist klar. Aber vieles wird berücksichtigt.

Unter Lalovics Führung hat es einige Veränderungen gegeben. Nun hat sich der Weltverband sogar einen neuen Namen gegeben. Warum?
In Buenos Aires entschied das IOC vor einem Jahr, dass wir Teil des Olympiaprogramms bleiben. Dies gilt jedoch vorerst nur bis 2024, und wir möchten auf Dauer wieder olympische Kernsportart sein. In dem Veränderungsprozess zuvor, an dem ich selbst in der Marketingkommission beteiligt war, erkannten wir, wie sehr sich die Ringer zusammengehörig fühlen, egal ob aus Russland, Iran oder Amerika. Deswegen nennen wir uns nun »United World Wrestling«.

Lalovic kündigte in Taschkent zudem an, dass die Athleten auf der Matte bald anders aussehen würden. Was bedeutet das genau?
Es wird überlegt, an den Trikots der Sportler etwas zu ändern. Als ich 1976 Mitglied eines Ringervereins wurde, gab es schon diese Trikots. Auch die Mattenfarben könnten verändert werden. Solche Sachen werden überdacht und hoffentlich einige noch in diesem Jahr umgesetzt.

Gibt es also bald Nationaltrikots?
Das wird schwierig, weil die Kontrahenten immer gut zu unterscheidende Trikots tragen müssen. Da haben sich rot und blau natürlich bewährt. Aber im Prinzip ist so etwas auch bei Teamwettkämpfen mit Heim- und Gastmannschaft denkbar.

Was sollen denn neue Mattenfarben bringen?
Wir überlegen, wie wir für Fernsehzuschauer noch interessanter werden können. Da gibt es verschiedene Überlegungen, auch ganz neue Kameraperspektiven sind ein Thema. Wir hoffen, das noch rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 2016 umsetzen zu können.

2013 wurden neue Regeln eingeführt. Haben sie sich bewährt?
Auf jeden Fall führen sie dazu, dass Ringen viel attraktiver geworden ist. Es gibt kein Geschiebe mehr. Jetzt muss jeder Ringer von Beginn an aktiv sein. Ansonsten wird er schnell bestraft. Bei der WM in Taschkent sah man schon an den ersten Tagen, dass es zu viel mehr Wertungen kommt.

Ein Ziel war, Laien verständlicher zu machen, welche Aktionen Punkte bringen. Ist das wirklich gelungen?
Hier muss überlegt werden, ob man noch ein paar Sachen mehr vereinfacht. Viel haben wir aber schon geschafft. So gab es in der Vergangenheit den Fall, dass jemand zwei Runden mit 1:0 für sich entschied. Der Gegner gewann zwar eine andere mit 5:0, verlor aber trotzdem. Das war keinem zu erklären. Jetzt addieren wir ganz normal, und es gewinnt derjenige mit den meisten Punkten. Ich glaube, das ist schon viel einfacher zu verstehen.

Warum zählt nicht nur der Schultersieg? Den kennt auch der Laie.
Den gibt es immer noch, aber man muss den Kampf zeitlich begrenzen, wenn keiner den Schultersieg schafft. Dann braucht man andere Kriterien, um einen Sieger zu bestimmen.

Auch der Einfluss der Kampfrichter sollte minimiert werden. Was lief schief, und ist es jetzt besser?
Es war wichtig, dem Kampfrichter nicht zu viel Macht zu überlassen. Früher konnte er sich bei Passivitätskriterien aussuchen, wen er verwarnt und wen lieber nicht. Natürlich brauchen wir ihn immer noch. Wenn nicht viel passiert, muss er jetzt aber schon in der ersten Minute bestimmen, wer weniger aktiv war. Der Ringer muss dann innerhalb von 30 Sekunden punkten, sonst bekommt der Gegner einen Punkt. Dadurch hat man früh ein Zwischenergebnis. Und derjenige, der zurückliegt, weiß genau: Ich habe noch Zeit, aber ich muss etwas tun. Das macht die Kämpfe dynamischer.

Mit Thomas Bach hat das IOC nun einen deutschen Präsidenten. Reden Sie oft mit ihm, um anzufragen, ob die Veränderungen ankommen?
Unser ehemaliger Weltverbandspräsident hatte so gut wie keinen Kontakt zum IOC, obwohl sein Sitz nur 30 Kilometer von dem des IOC in Lausanne entfernt ist. Das hat sich vielfach verbessert, auch bei der Welt-Antidoping-Agentur WADA und anderen Organisationen. Jetzt kommunizieren wir mit allen Partnern und versuchen, sie mit ins Boot zu nehmen. Im Nachhinein muss klar gesagt werden: Dieser Schuss vor den Bug 2013 hat dem Ringen geholfen.

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