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Lieblingsfach »Zukunft«

Eine chancengerechte Sekundarschule in Wedding - aber nicht aus staatlicher, sondern privater Hand

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 2 Min.
»Zukunft« steht auf dem Lehrplan der Quinoa-Schule. Die freie Schule hat sich gerade erst in Wedding gegründet.

Seit zwei Wochen läuft der Schulbetrieb für 24 Schüler der siebten Klasse an der brandneuen Quinoa-Schule in Wedding. Nicht vom Staat, sondern von einer gemeinnützigen Unternehmergesellschaft wird sie getragen. Deren Gründer Fiona Brunk und Stefan Döring waren »Teach First Fellows« im Brennpunktbezirk - dann gründeten sie selbst eine Schule.

Der treibende Gedanke der Quinoa Gesellschaft: Die Herkunft aus sozialen Brennpunkten ist eine Chance, kein Nachteil. »Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der die Herkunft eines Kindes nicht mehr seinen Bildungserfolg bestimmt«, sagt Brunk. Eine Vision sehr weit weg von der Realität - in einem Stadtteil, in dem laut Bericht des Bezirksamts Mitte zwei Drittel der unter 15-Jährigen aus Hartz-IV-Familien stammen, in dem 40 Prozent aller Erstklässler Sprachdefizite aufweisen und in dem knapp 30 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen.

Quinoa ist eigentlich ein Getreide aus den Anden, das es fast nur in Reformhäusern gibt und das unterschätzt wird - genau wie die Jugendlichen im Wedding, sagt das Gründerduo. Um deren Potenzial auszuschöpfen, bedarf es laut Döring Schulen, die »interkulturelle Kompetenzen junger Menschen fördern und deren individuelle Berufung entdecken«. Dafür sorgt ein Netzwerk aus Tutoren und Mentoren, die Ansprechpartner bis zum Ausbildungs- oder Gymnasialabschluss bleiben.

Dafür kooperiert die Schule eng mit örtlichen Betrieben. In allen Schuljahren müssen die Jugendlichen Praktika absolvieren, bei denen sie verschiedene Berufsgruppen kennenlernen. Im Unterricht wird dann wöchentlich über die Erfahrungen geredet, so dass die Schüler nicht allein gelassen werden bei ihrer Reflexion über das Erlebte.

Um allen die gleichen Chancen zu geben, ist die Schule für Kinder von Hartz-IV-Empfängern, Bafög-Empfängern, Wohngeldempfängern, Aufstockern und Asylbewerbern kostenlos. Für alle anderen richten sich die Kosten an den üblichen Kitagebühren, und betragen je nach Einkommen zwischen 48 und circa 100 Euro pro Monat. Die Hälfte der laufenden Kosten von etwa einer halben Millionen Euro für das Schuljahr 2014/15 wird mit Geldern des Senats gedeckt, und Förderer wie Stiftungen, Unternehmen und private Spender decken, was übrig bleibt.

Können Privatschulen Chancengleichheit besser ermöglichen als staatliche? Klara Sucher, Bereichsleiterin Kommunikation von Quinoa, widerspricht entschieden. Für sie ist »Chancengerechtigkeit eine Vision, die nie zu 100 Prozent erreicht werden kann«. Für die Quinoa-Schule sieht sie aber den Vorteil, dass alle im Team genau deswegen dabei sind. Außerdem können die Schüler gezielt gefördert werden: der Unterricht wird frei gestaltet, und auf dem Lehrplan stehen Fächer wie »Interkultureller Unterricht« oder »Zukunft«.

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