Von Thomas Blum 13.09.2014 / Kultur

Da erlebt man doch was, im Krieg!

Die Popmoderne schreitet voran: Karl Kraus’ Drama »Die letzten Tage der Menschheit« erlebt seine Wiedergeburt als Comic

Hatten Sie gestern beim Zeitunglesen auch wieder, wie fast jeden Morgen, das unbestimmte Gefühl, der Leitartikel sei vom Pressesprecher der Regierung verfasst worden? Und ein wenig Angst und eine leichte Übelkeit beim Betrachten der Laiendarsteller, die sich da auf den Fotos im Händeschütteln und Um-die-Wette-Grinsen üben und die vorgeben, Garanten »unserer Demokratie« zu sein? Tja, wer kennt das nicht? Eitle Politiker und Militärs, die in den Kitsch- und Klatschblättern permanent eine geradezu groteske Selbstinszenierung betreiben. Sich selbst so bezeichnende Kulturschaffende, die sich jederzeit der Politik und den Medien andienen, indem sie brav exakt den Sermon nachbeten, den ihnen eine Woche zuvor Politik und Medien vorgekaut haben. Geistliche, die Waffen segnen, und weltliche Würdenträger, die diese hernach zum Segen für die Welt erklären. Kriegsberichterstatter bzw. embedded journalists, für die der Krieg nichts anderes ist als ein Anlass, patriotische Verse und Edelkitschprosa zu dichten. Ein liebedienerisches, kriecherisches, zu jeder denkbaren Schweinerei bei Fuß stehendes Pressewesen, das - nicht nur aus Profitgier, sondern auch weil es es nicht anders weiß und nicht anders kennt - den Voyeurismus, die Sensationsgier und sämtliche Ressentiments der Leserschaft bedient. Und schließlich - nicht zu vergessen - das Gros der gebildeten Zeitungsleser, die jede hohle Phrase dankbar nachplappern und das Wiedergekäute am Ende für einen Gedanken halten, womöglich gar für ihren eigenen.

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