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NSA zwang Konzerne zur Spionage

Technologiekonzerne wurden vom US-Geheimdienst massiv unter Druck gesetzt

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

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Yahoo hat sich 2007 und 2008 juristisch gegen die Auslieferung von Kundendaten gewehrt. Der Konzern gab erst nach, als er Strafzahlungen leisten sollte. Das ergeben neue Dokumente.

Die US-Regierung hat den Technologiekonzern Yahoo finanziell unter Druck gesetzt. Der Konzern sollte 250 000 Dollar (193 000 Euro) pro Tag zahlen, da er sich weigerte, Daten und Informationen an die National Security Agency (NSA) weiterzureichen. Die Vorgänge aus dem Jahr 2008 wurden erst jetzt öffentlich. Das Appellationsgericht Foreign Intelligence Surveillance Court of Review veröffentlichte am Donnerstag 1500 Dokumente. Das Gericht ist für Urteile des Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC) zuständig, der sich mit ausländischer Spionage befasst. Die Dokumente erklären, warum Yahoo mit der NSA kooperierte.

Die Androhung der Strafzahlung und die Entscheidung des Gerichts gegen Yahoo bewegten viele Technologiekonzerne dazu, der NSA-Aufforderung Folge zu leisten. Apple, AOL, Facebook und Google gaben daraufhin Informationen weiter. Microsoft hatte sich bereits vor der Gerichtsentscheidung für eine Kooperation mit der NSA entschieden.

US-Technologiekonzerne wurden besonders in Europa scharf für die Datenweitergabe kritisiert. Justiziar Ron Bell äußerte auf Yahoos Internetseite, die Dokumente zeigten, dass die Firmen keine andere Möglichkeit gehabt hätten. Es wurde auch deutlich, dass es Yahoo untersagt war, die Zahlungsandrohung oder die NSA-Aufforderung öffentlich zu machen. Das Büro des Direktors der nationalen Nachrichtendienste verwies hingegen gemeinsam mit dem Justizministerium darauf, dass die Dokumente die Legalität der Überwachung belegten.

Die Überwachungsaktion wurde durch Edward Snowden enthüllt. Ohne spezifischen Gerichtsbeschluss wurden Daten aus E-Mails und Telefonate gesammelt. Dabei wurde auf die Server von Kommunikationsunternehmen Zugriff genommen. Kritiker bemängeln, das Programm PRISM sei nicht verfassungsgemäß.

Yahoo berief sich bei seiner ursprünglichen Weigerung auf den vierten Zusatz der Verfassung. Demnach müsse für unbegründete Suchen und Beschlagnahmungen ein Gerichtsbeschluss vorliegen. Die NSA verwies hingegen auf die Rechtssprechung im Rahmen des Überwachungsgesetzes Foreign Intelligence Surveillance Act, nach dem es der Regierung erlaubt sei, ohne Gerichtsbeschluss Daten über Personen zu sammeln, die im Ausland vermutet werden.

Das FISC folgte dieser Begründung und forderte Yahoo zur Herausgabe der Daten auf. Der Widerspruch wurde abgelehnt. Die nun veröffentlichen Dokumente zum Widerspruch sind massiv redigiert worden. Trotzdem zeigten sie, dass die NSA außer Kontrolle sei, erklärte Menschenrechtsanwalt Patrick Toomey. »Yahoo gebührt Applaus für seinen Kampf gegen die Regierung und für den Datenschutz seiner Kunden. Aber die Veröffentlichung zeigt auch, dass Reformen dringend notwendig sind, um Transparenz in die Überwachungspraktiken der NSA zu bringen.«

Yahoo-Justiziar Bell erklärte, dass weitere Dokumente zur Veröffentlichung ausstünden. Informationen über den ursprünglichen Prozess seien noch viel schockierender. »Unser Kampf geht weiter. Wir wollen immer noch, dass die Dokumente der unteren Instanz von 2007 bis 2008 veröffentlicht werden. Jetzt wollen wir, dass auch diese Dokumente veröffentlicht werden.«

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