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Autofahrer visuell und akustisch warnen

Fragen & Antworten zu bundesweit neuen Plänen gegen Geisterfahrer

Es ist der Albtraum für jeden Autofahrer, wenn er auf der Autobahn in den Verkehrsnachrichten die Warnung hört: »Achtung Falschfahrer«. Etwa 1800 Mal pro Jahr ist das im Radio zu hören.

Nun will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt das Problem auf Autobahnen mit einem neuen Aktionsprogramm und einem elektronischen Warnsystem eindämmen.

Wie kommt es überhaupt zu Geisterfahrten?

Viele Geisterfahrer fahren falsch an Anschlussstellen und Rastplätzen auf. Als Gründe gelten unter anderem eine unübersichtliche Beschilderung oder ungünstige Wetterverhältnisse. Auch wenden manche Fahrer plötzlich auf der Autobahn. Bei vielen Falschfahrern sind Alkohol und Drogen im Spiel. Besonders hoch ist das Risiko in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Pro Jahr verursachen Falschfahrer 75 bis 80 Unfälle.

Was sieht das neue Aktionsprogramm vor?

Geplant ist ein Pilotprojekt, das Falschfahrer an Auffahrten von Autobahnen automatisch erkennt und Autofahrer visuell und akustisch warnt. In Zeiten einer zunehmenden Digitalisierung und entsprechender technischer Möglichkeiten wird dies als gute Alternative zu knallgelben Warnschildern gesehen, wie sie derzeit an einigen Auffahrten in Bayern erprobt werden. Mit elektronischer Überwachung der Anschlussstellen von Autobahnen könnten Falschfahrer-Warnmeldungen schneller abgesetzt werden. Das könnte aber auch zu Datenschutzproblemen führen, wenn etwa Autofahrer automatisch an Auffahrten mit den Kennzeichen gescannt würden.

Welche Überlegungen gibt es gegenwärtig?

Die Verkehrsministerkonferenz der Länder hatte im April 2013 konkrete Überprüfungen aller Anschlussstellen vereinbart, um Aspekte auszuschalten, die Falschfahrten begünstigen. Überprüft werden die allgemeine Verkehrsführung, die bauliche Gestaltung der Ein- und Ausfahrten, die Parkplatzsituation an nahe gelegenen Raststätten sowie Beschilderungen. Ein Großteil ist bereits überprüft. Sicherheitsmängel wurden umgehend beseitigt.

Was wären weitere Optionen?

Laut Automobilclub von Deutschland könnten Induktionsschleifen in die Fahrbahn gelegt werden, die rotes Blitzlicht und Warnschilder in Gang setzen, sobald sie in falscher Richtung überfahren werden. Dafür sind bauliche Veränderungen an den Autobahnauffahrten erforderlich. Nur in Ausnahmefällen seien mit Kameras und Blinkern ausgestattete Warnschilder sinnvoll. »Nagelbretter« auf den Auffahrten seien nicht sinnvoll, weil Polizei und Rettungswagen im Ernstfall Zufahrten auch in der verkehrten Richtung nutzen müssen. Österreich hat gelbe Warnschilder, die lange auch als Favorit für Deutschland galten. In Mecklenburg-Vorpommern entschied man sich für gebogene Schilder »Einfahrt verboten«, die größer als die flachen Schilder sind.

Welche elektronischen Möglichkeiten gibt es für Autos?

In einem Versuch im Rhein-Main-Gebiet wurde eine Technologie (Car-to-X genannt) erprobt, bei der Autos über das Internet untereinander und mit einer Zentrale ständig Informationen zur Verkehrslage austauschen können. Damit können andere Verkehrsteilnehmer über potenzielle Gefahren informiert werden. Von 2015 an sollen die ersten Autos damit ausgestattet sein. Mercedes-Benz arbeitet an einem Assistenzsystem. Eine Kamera in der Frontscheibe erkennt Einfahrt-Verbots-Schilder. Bei einer Falschfahrt warnt das System sowohl optisch als auch akustisch. dpa/nd

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