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Kuba macht es vor

Die Karibikinsel schickt mehr Ärzte als alle anderen

Kuba schickt das größte Kontigent an Helfern gegen Ebola in Westafrika: 165 Ärzte und Krankenschwestern sollen ein halbes Jahr in den Krisengebieten bleiben.

Das Angebot von Kubas Gesundheitsminister Roberto Morales Ojeda stieß bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf auf offene Ohren: 165 Ärzte und Krankenschwestern von der Karibikinsel sollen ein halbes Jahr lang vor allem in den Ebola-Gebieten von Sierra Leone bleiben, wie das Gesundheitsministerium in Havanna mitteilte. Nach Angaben der WHO handelt es sich um das größte Kontingent an Helfern, das ein Land in den Kampf gegen Ebola in Westafrika schickt.

WHO-Direktorin Margaret Chan äußerte die Hoffnung, dass weitere Länder dem Beispiel Kubas folgen. Ärzte und medizinisches Fachpersonal würden dringend gebraucht. Mindestens 500 bis 600 Ärzte und mehr als 1000 Pfleger würden schon in den existierenden Behandlungszentren benötigt, mahnte Chan. Allein Geld und Material würden die Ausbreitung aber nicht stoppen. »In den drei am schlimmsten betroffenen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone steigt die Zahl neuer Infektionen schneller als die der speziellen Behandlungszentren«, warnte die WHO-Chefin. In Liberia stünde Ebola-Kranken derzeit nicht ein einziges freies Bett zur Verfügung.

Internationale Hilfseinsätze unternimmt Kuba bereits seit 1963, als in Algerien die erste kubanische Medizinerbrigade landete. Laut den kubanischen Behörden haben bis heute insgesamt etwa 135 000 Personen Einsätze auf medizinischer Auslandmission absolviert. Allein in 32 afrikanische Staaten wurden demnach fast 77 000 Helfer geschickt, unter ihnen 2269 Ärzte. Zurzeit arbeiten in 66 Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas über 51 700 Mediziner und Hilfspersonal aus Kuba, davon über 30 000 in Venezuela und 11 453 in Brasilien. 64 Prozent der Helfer sind Frauen.

Vor der Revolution 1959 verfügte die Insel über kaum 6000 Ärzte. Zusammen mit dem Schulwesen machte Fidel Castro die umfassende medizinische Gratisversorgung zu einer Priorität der Revolution. Heute verfügt das staatliche Gesundheitswesen laut offiziellen Zahlen über fast 77 000 Ärzte, 15 000 Zahnärzte und über 88 000 im Pflegebereich Beschäftigte für eine Bevölkerung von 11,1 Millionen. In Westafrika hingegen kommen auf 100 000 Einwohner im Schnitt gerade Mal ein bis zwei Ärzte.

Im Rahmen der Operación Milagro (»Wunder«) werden Augenoperationen für Menschen aus Entwicklungsländern auf Kuba durchgeführt. Auch ukrainische Opfer des Atomunfalls in Tschernobyl werden in Kuba kostenlos behandelt. Kubaner haben laut Bewertung der WHO bisher mindestens einer Million Menschen das Leben gerettet.

Inzwischen lässt sich das devisenknappe Kuba die regulären Auslandsengagements teilweise bezahlen - von Venezuela zum Beispiel durch Öllieferungen. Die jährlichen Einnahmen werden auf rund zwei Milliarden US-Dollar geschätzt. Das entspricht in etwa dem Devisenbedarf für die Nahrungsmittelimporte. ML

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