Hans-Dieter Schütt 20.09.2014 / Kultur

Strandgutmenschen

»Die Schutzbefohlenen« von Elfriede Jelinek am Thalia Theater Hamburg

Kreuzfahrten sind zur touristischen Verkommensform der Weltumsegelung geworden. Auf Glamour Liner und also auf hohe See begeben sich Passagiere, die das rettende Ufer doch längst erreichten. Und die es nun besetzt halten und machtstreng bewachen. So hat sich das Mittelmeer in eine Transitstrecke mit abstrusem Gegenverkehr verwandelt, aus Luxusgiganten – und Holzschiffen. Die wie verwitterte Archen wirken und in denen Flüchtlinge versuchen, einem Elend zu entkommen – viel gewonnen schon, wenn man, und sei es halbtot, als Strandgut aufgesammelt werden kann. Jene, die mit allen Wassern eines günstigen Schicksals gewaschen sind, teilen sich als Urlauber die Horizonte mit Menschen, denen das Wasser bis zum Hals steht. Traumschiff-Truppen und Boat People. Die einen saufen, weil sie Glück empfinden, die anderen ersaufen, weil sie es finden wollten. Saufen oder ersaufen – beidem ist gemeinsam, dass einem die Sinne schwinden, so schafft sich der Zynismus seine ganz eigene Metaphorik. Ja, Wasser hat keine Balken. Sie werden gebraucht. Aus ihnen errichten wir die Barrieren, daran Flüchtlinge abprallen, wenn sie Europas Küsten erreichen. Und erfahren müssen: Der endlich mühevoll erreichte Strand hält, was der Begriff verspricht – es darf gestrandet werden.

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