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Von Feierlaune keine Spur

Erleichterung bei den Unabhängigkeitsgegnern, Enttäuschung bei den Befürwortern

  • Von Katharina Strobel, Edinburgh
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es ist der Tag danach. Nach fröhlichen Menschen in Feierlaune sucht man in den Straßen Edinburghs jedoch vergeblich, obwohl die Mehrheit gegen die Unabhängigkeit votierte.

John Clark steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. »Ich bin so frustriert«, sagt der 58-Jährige. Er unterhält ein kleines Café in der Royal Mile, einen Steinwurf vom Sitz des Schottischen Parlaments entfernt. Am Vortag klebten blau-weiße »Yes«-Aufkleber in seinem Fenster. Nie zuvor in seinem Leben war er so hoffnungsvoll für die Zukunft seines Landes. Und jetzt?

Wenige Stunden nach der Verkündung des Ergebnisses steht John Clarks Entschluss fest: »In Abhängigkeit von Westminster will ich nicht länger leben. Sobald mein Mietvertrag hier ausläuft, ziehe ich nach Teneriffa.« Lieber unglücklich im sonnigen Süden als im kühlen Norden, so sein persönliches Fazit.

Andere Anhänger der Yes-Kampagne sehen das Ergebnis differenzierter. »Wir haben so viel erreicht in diesem Prozess der Entscheidungsfindung«, sagt Liz Law, »ich glaube, dass nichts so wird wie vorher.« Die 54-Jährige spricht von der »echten Demokratie«, die das Land erfasst hat. »Wir sehen uns sonst gerne als Wiege der Demokratie und erteilen anderen demokratische Ratschläge, aber der Akt des Referendums, ein urdemokratischer Vorgang, hat das politische Establishment in Westminster zutiefst erschüttert«, glaubt die Schottin.

Sie spricht von der positiven Energie, die die Debatte in den vergangenen zwei Jahren freigesetzt hat. »Wir sind uns als Nation viel mehr darüber im Klaren, was wir wollen und was wir nicht wollen«, so Law.

»Wir begrüßen diese Entscheidung«, sind sich Huw und David Silk einig. Die beiden Brüder sind von Wales nach Edinburgh gereist, um die Volksabstimmung mitzuerleben. »Es wäre schade gewesen, Schottland als Teil unserer Gemeinschaft zu verlieren«, glaubt der 25-jährige Huw. Vielmehr unterstützen auch die Waliser den schottischen Drang nach mehr Kompetenzen. Auch sie wollen mehr Entscheidungsbefugnisse für ihre Regionalregierung.

»Die Regierungschefs in London sind jetzt in der Pflicht, ihre Versprechen einzuhalten, ansonsten stehen sie als Lügner da«, meint David, 18 Jahre. Welche Versprechen Regierungschef David Cameron, Labourchef Ed Milliband und der Liberale Nick Clegg genau gegeben haben, darüber scheiden sich die Geister. Café-Besitzer John Clark glaubt, es sei alles nur heiße Luft. Für Liz Law und die Brüder aus Wales waren es eindeutige Zugeständnisse an erweiterte Kompetenzen. Sie glauben fest daran, dass die Botschaft der Schotten in London erhört wurde.

Noch etwas, so glauben viele, wird das schottische Referendum nachhaltig beeinflussen: die geplante Volksabstimmung Großbritanniens zum Verbleib in der EU. Alastair Hulbert, 73, sagt es so: »Wir haben es zwar nicht geschafft, Schottland in die Unabhängigkeit zu führen. Aber wir haben Großbritannien als EU-Mitglied gerettet.« Wie knapp die Volksabstimmungen ausgehen, habe das schottische Beispiel gezeigt. Das wolle keiner mehr riskieren.

»Neues Deutschland« plant für Mai 2015 eine zehntägige Leserreise nach Schottland mit dem früheren London-Korrespondenten des »nd« Reiner Oschmann. Informationen: Frank Diekert, ND-Leserreisen, Tel. 030-29781620, Fax. 030-29781650, E-Mail: leserreisen@nd-online.de

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