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Digitales Tor zum Archivwesen

Noch bis zum Wochenende tagen Archivarinnen und Archivare aus ganz Deutschland in Magdeburg

  • Von Uwe Kraus, Magdeburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die deutsche Archive gehen mit digitalisierten Beständen ins Internet und starten ein zentrales Onlineportal, um nutzerfreundlicher zu werden.

Mittelalterliche Urkunden für das Erzstift Magdeburg, Messtischblätter des preußischen Generalstabs aus dem 19. Jahrhundert oder frühe Aufnahmen der Werksfotografen von Buna und Leuna können ab sofort im Internet betrachtet werden. Am Mittwoch schaltete das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt sein Angebot »Archivgut online« frei. Zeitgleich startet während des bis zum Wochenende in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt tagenden 84. Deutschen Archivtag das »Archivportal-D«, das besonders nachgefragte Archivbestände aus ganz Deutschland direkt online einsehbar macht.

Digital abrufbar seien viele Schätze aus deutschen Archiven, wie die Goldene Bulle Kaiser Karls IV., die als zentrales Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches seit Kurzem zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt, eine selbst gezeichnete Karikatur des Komponisten Paul Hindemith oder Notgeld aus Magdeburg mit historischen Motiven der Stadtgeschichte.

»Das ermöglicht eine umfassende und kostenlose Recherche in Deutschlands Archiven. Archivbesuche und Forschungsreisen werden damit besser planbar und können effizienter gestaltet werden«, sagt Irmgard Christa Becker, Vorsitzende des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare und Leiterin der Archivschule Marburg. Nutzer könnten zunächst auf mehr als fünf Millionen Datensätze von über 25 beteiligten Archiven zugreifen. Die Datensätze seinen zwar schon über die Deutsche Digitale Bibliothek zugänglich, aber mit dem neuen Portal spezifisch durchsuchbar und nutzerfreundlich dargestellt. »Außerdem können die Nutzer allgemeine Informationen zu weiteren 400 Einrichtungen einsehen«, fügt Becker an. Mit dem Portal sei das digitale Tor zum deutschen Archivwesen weit aufgestoßen worden.

»Doch das ist nur ein Bruchteil dessen, was in den rund 2000 Archiven in Deutschland schlummert«, schränkt Gerald Maier, Stellvertretender Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg und Projektleiter beim Aufbau des »Archivportals-D,« ein. Der 84. Deutsche Archivtag, zu dem sich 750 Teilnehmer angemeldet haben und weitere 100 als Tagesgäste kommen wollen, steht unter dem Motto »Neue Wege ins Archiv - Nutzer, Nutzung, Nutzen«.

Gerald Maier und Irmgard Christa Becker sind sich einig: »Wir wollen den Nutzern mehr Komfort bieten.« In gleichem Atemzug gestehen sie: »Das bedeutet für die Archive einen großen Aufwand.« Maier rechnet vor, dass jedes digitalisierte Bild Kosten von etwa einem Euro verursache. Trotzdem sei die Nutzung des Portals und der rechtefreien Bilder zunächst kostenlos. »Wenn dann bessere Auflösungen gewünscht werden, fallen Gebühren an. Aber kostendeckend wird das nicht.«

Nach wie vor sei die Digitalisierung teurer als die Papiervariante, sagt Irmgard Christa Becker. Detlev Heiden vom Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, das erstmalig eine halbe Million digitale Abbildungen ins Netz stellt, geht davon aus, dass in Deutschland bisher Archivgut »im Promillebereich« digitalisiert sei. »In unserem Bundesland sind es 0,2 Prozent.«

Was genau vorrangig digitalisiert werden soll, diskutieren die Fachleute in Magdeburg kontrovers. Je nach Archivtyp seien die Konstellationen unterschiedlich. Einigkeit herrscht darüber, das die Nutzungsfrequenz ein bestimmender Faktor sei.

Margit Scholz, Leiterin der Kirchlichen Archive und Bibliotheken in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, sieht ihre Arbeit als Kampf gegen die Zeit und den Zerfall. Man habe es mit Unikaten zu tun. »Wenn die untergehen, stirbt auch die Information.« Kirchliche Archivalien seien durch unzureichende Lagerung an vielen Orten von akutem Verfall bedroht. In den Archiven der Kirchengemeinden herrschten nicht die optimalen Bedingungen, über die sie und ihre Mitarbeiter im architektonisch gut in die Magdeburger Matthäuskirche eingefügten Archivgebäude mit moderner Technik und einem Leseraum verfügen. Sechs Regalkilometer Archiv- und 2,5 Kilometer Bibliotheksgut lagern hier.

Projektleiter Gerald Maier spricht von einer bunten Archivlandschaft in Deutschland. Der überwiegende Teil der deutschen Archive liege in kommunaler Hand. »Wenn man als Nutzer Glück hat, hat jedes wenigstens eine eigene Webseite. Doch die für eine Suche abzuklappern ist sehr aufwendig. Unser Portal soll das vereinfachen.« Es vereine übergreifende Rechercheinstrumente, virtuelle Forschungsumgebungen als Anknüpfungspunkte für die Wissenschaft und soziale Medien als neue Formen der Kommunikation mit den Nutzern.

www.archivportal-d.de

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