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Flügellahmer Eurofighter

Herstellungsfehler: Industrie halbiert vorerst Lebensdauer

Mit Mängeln an Kampfflugzeugen der Luftwaffe setzt sich die Pannenserie bei der Bundeswehr fort. Das Militär will den Herstellern vorerst keine weiteren »Eurofighter« abnehmen. Probleme bereitet auch der für den Abzug aus Afghanistan eingesetzte Truppentransporter vom Typ Airbus A310.

Berlin. Nicht nur die alten Transall-Transportmaschinen der Bundeswehr bereitet derzeit mannigfache Probleme. Auch das modernste Kampfflugzeug der Luftwaffe lässt die Flügel hängen. Mit Schreiben vom 22. September 2014 informierte Hersteller Military Aircraft - es handelt sich um einen Teil von Airbus-Defence - das Verteidigungsministerium »über Abnahmeverzögerungen mit Produktionsstopp« in der britischen Eurofighter-Produktionslinie. Betroffen seien alle Modifikationen in allen sieben Nationen, die den Jet einsetzen. Die Bundeswehr hat derzeit gut 100 im Bestand.

Bei Qualitätskontrollen, so teilte die die Industrie mit, sei ein »Herstellungsfehler an einer großen Anzahl von Bohrungen am Rumpfhinterteil« entdeckt worden. Die Fehlen könnten Auswirkungen auf die Lebensdauer der Flugzeugzelle haben, weshalb der Hersteller »als Sofortmaßnahme« die Lebensdauer von 3000 auf 1500 Flugstunden senkt.

Der Flugbetrieb der deutschen Luftwaffe sei davon nicht betroffen, sagt das Verteidigungsministerium. Sowohl die Einsätze zur Luftraumüberwachung in Deutschland und über den Baltischen NATO-Staaten als auch Trainingsflüge könnten durchgeführt werden. Vorerst will die Bundeswehr aber keine neuen Eurofighter abnehmen. »Nach unseren Erkenntnisse arbeitet BAE Systems an Maßnahmen, um den vertragsgemäßen Zustand wiederherzustellen«, teilt das Ministerium zuständigen Bundestagsabgeordneten mit. Einer davon ist Michael Leutert, er vertritt die Linksfraktion im Haushaltsausschuss und betont gegenüber »nd«, dass »die Industrie endlich Konsequenten spüren müsse«. Man könne es dem Steuerzahler nicht länger zumuten, für unbrauchbare Systeme zur Kasse gebeten zu werden.

Anfang kommender Woche will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein externes Gutachten über den Zustand verschiedener Großrüstungsprojekte vorlegen. Auch der »Eurofighter« war Untersuchungsgegenstand. Gebaut wird das hochgelobte Flugzeug von Firmen in Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien. 2003 begann die Serienproduktion des Flugzeuges, der vor Jahrzehnten als »Jäger 90« konzipiert worden war. Bislang wurden über 400 Maschinen ausgeliefert. Das liegt unterhalb der Erwartungen. Gerade machte man sich bei Airbus-Defence erneut Hoffnungen auf ein lukratives Geschäft mit Indien. Mitglieder der Bundesregierung , allen voran die Kanzlerin und der Außenminister haben sich dafür bereits verwendet.

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