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Das schrille Paar aus der Zeitmaschine

25 Jahre Eva & Adele

  • Von Andre Sokolowski
  • Lesedauer: 3 Min.

Ihre Erscheinungen kann man - zufällig - in Film und Fernsehen, in Zeitungen und Zeitschriften oder (wer Glück hat) live verfolgen. Wo sie auftauchen, sagen sie, taucht Kunst auf, denn: »wherever we are is museum« - wo immer wir sind, ist Museum. Von Eva & Adele, diesem lebenden Berliner Gesamtkunstwerk, ist die Rede. Das Konzept des Paares, das zwillingsgleich mit Glatze, roten Lippen, großen Augen, selbstdesignten Kleidern, Stöckelschuhen und diversen Accessoires in Ausstellungen und auf Kulturevents posiert, heißt »Futuring«.

Zu dieser Zukunftisierung gehört, dass die beiden nichts von ihrer Vergangenheit preisgeben. Fragt man sie danach, woher sie kommen oder was sie vorher gemacht haben, stößt man auf Grundeis. Das bleibt ihr Geheimnis und zugleich ihr Art-Depot. »Die Zeit davor nennen wir Zeitmaschine«, sagen sie nur, und man habe sie als Embryo in diese Zeitmaschine eingepflanzt, und darin seien sie aufgewachsen. »Als die Wende war, kurz davor, sind wir dann in Berlin gelandet.« Mehr ist auch bei einem persönlichen Besuch in ihrem Atelier nicht von Eva & Adele zu erfahren.

Evas Regenbogenhaut schillert zwischen blau, grau und grün, Adeles ist rehbraun. Mit diesen Augen haben sie schon manchen in die Flucht geschlagen. So berichten sie von einem Vaparetto-Ausflug zur Biennale in Venedig 1990: »Wir standen an Bord und hatten zwei recht enge, schwarze Kostüme an.« Plötzlich sei eine ganze Busladung bayrischer Touristen auf das Boot gekommen. »Keiner wusste, dass wir Deutsch verstehen. Die haben sich sofort herablassend über uns ausgelassen. Ob sie uns nicht ins Wasser schmeißen sollten, war die auf Bayrisch erörterte Frage.« Eva & Adele war klar, dass sie in ihrem Kostüm nicht würden schwimmen können. In Todesangst reagierten sie geistesgegenwärtig: »Wir begannen, jedem einzeln in die Augen zu schauen«, erinnert sich Eva. Adele ergänzt: »Sie konnten unseren Blicken nicht standhalten.« Auf dem Vaparetto sei es daraufhin stiller und stiller geworden, doch damit nicht genug: Als die Touristen schließlich ausgestiegen waren, applaudierten sie dem schrillen Paar. Das hatten Eva & Adele nicht erwartet.

Von diesem Ereignis beflügelt, verschafften sie sich selbstbewusst Einlass zur Biennale - obwohl sie weder eine Einladung noch ein Billet besaßen. Heute hingegen werden Eva & Adele von Galerien und Theatern aus der ganzen Welt mit Einladungen und Karten versorgt. Auf die Zeit des schweren Anfangs sind sie umso stolzer: »Wir mussten lernen, uns zu behaupten und auch zur Wehr zu setzen. Wir konnten damals kaum drei Schritte machen, ohne angepöbelt oder bedroht zu werden.« Ich bezeuge ihnen meinen Respekt für ihren Mut. Darauf entgegnen sie, dass es ein Teil ihres Gesamtkunstwerks sei, sich mit ihren Mitmenschen zu konfrontieren, auch mit »Mitmenschen, die völlig ahnungslos sind und überhaupt nicht an Kunst denken, wenn sie uns sehen«. Auch weiterhin werden sie wohl »jeden Ort, wo wir auftreten, zum Kunstplatz« deklarieren.

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