Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Keine Reise in die USA

Russlands Senatoren sagten US-Kollegen ab

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Besuch bei den Kollegen in Washington war lange geplant. Doch nun sagte der Auswärtige Ausschuss des russischen Senats die Visite ab. Die Senatoren ärgerten sich nicht nur über die Sanktionen, zu denen die USA auch ihre europäischen Verbündeten drängten. Noch mehr brachte sie auf, dass US-Präsident Barack Obama Russland als zweitgrößte Bedrohung für die globale Sicherheit einstufte. Mit Obama, glaubt der Vizechef des russischen USA- und Kanada-Instituts Pawel Solotarjow, seien wie schon öfter »die Emotionen durchgegangen«. Die USA, sagte er der »Rossiskaja Gaseta«, dem Amtsblatt der Regierung in Moskau, täten sich schwer mit der Erkenntnis, dass es ihnen nicht gelang, die russische Schwarzmeerflotte von der Krim zu verdrängen.

Zwar hält der Forscher eine militärische Eskalation des Konflikts für kaum wahrscheinlich. Dafür würden allein schon die Geschäftsleute sorgen. Vor allem die Business Community hätte auch Militärschläge gegen Iran verhindert. Auch würde der Vormarsch der Islamisten im Nahen Osten die »Kriegspartei in Washington« zu Pragmatismus zwingen. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, seien die USA genauso auf Kooperation mit Moskau angewiesen wie beim Rückzug aus Afghanistan. Obama könnte sich bald gezwungen sehen, das gegen Russland verhängte Embargo zu lockern.

Der Duma-Abgeordnete Wassili Lichatschow glaubt, damit würde auch der Druck auf Europa nachlassen, das die Sanktionen widerwillig mittrage. Auf Drängen Washingtons habe die EU Grundsatzentscheidungen getroffen, ohne die Konsequenzen zu Ende zu denken. Mit den Folgen, warnte er in der »Iswestija«, müsse Europa weitgehend allein fertig werden. Für Washington hätten der Nahe und Mittlere Osten Priorität. Moskau sei an einer Rückkehr zur Normalität im russisch-amerikanischen Verhältnis »absolut interessiert«, versicherte Außenminister Sergej Lawrow. Ruiniert habe es die Führung in Washington. Um beim US-Wähler zu punkten, hätte sie Kooperationsstrukturen, die zum Großteil von ihr selbst und gemeinsam mit Russland geschaffen wurden, demontiert und sich eine »Konfrontationsrhetorik« zugelegt.

Der Politikwissenschaftler Sergei Markow, der mit Mandat der Kremlpartei »Einiges Russland« in der Duma sitzt, sprach sogar vom Rückfall in den Kalten Krieg. Anders als vor dem Fall des Eisernen Vorhanges würden die USA dabei neben Sanktionen und Unfreundlichkeiten verstärkt auf einen Informationskrieg setzen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln