Krankheit und Kultur

Warum es oft Menschen mit Handicap sind, die eine enorme geistige Kreativität entfalten.

  • Von Martin Koch
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Mens sana in corpore sano.» Was der römische Dichter Juvenal einst satirisch gemeint hatte, wurde zum geflügelten Wort: «In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.» Auch Thomas Mann war von diesem Thema fasziniert. In seinem Roman «Der Zauberberg» äußert sich eine der Hauptfiguren, der Literat und Humanist Lodovico Settembrini, dazu wie folgt: «Ein Mensch, der als Kranker lebt, ist nur Körper, das ist das Widermenschliche und Erniedrigende.» Diese Auffassung bleibt freilich nicht unwidersprochen. Leo Naphta, ein zum Katholizismus konvertierter Jude, gibt den Gegenpart und erklärt, dass erst die Krankheit den Menschen veredele und vergeistige. Der Genius der Krankheit sei menschlicher als der der Gesundheit.

In solcher Absolutheit wird heute nur noch selten über das Verhältnis von Krankheit und Menschenwürde gesprochen. Wer körperlich oder seelisch leidet, empfindet es vielmehr häufig als Hohn, wenn man sein Martyrium i...

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