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Proteste für den freien Domblick

Wormser Bürger lehnen vehement ein katholisches Gemeindezentrum ab

  • Von Karsten Packeiser
  • Lesedauer: 3 Min.

Worms. Erika Pinel hat zum Treffen ihr pinkfarbenes »Kampf-T-Shirt« übergestreift. »Und da kamen Englein und trugen den Wormser Dom anderswo hin«, steht darauf geschrieben, »Worms hatte ihn nicht mehr verdient.« Auf ihre Kirche ist die Katholikin derzeit nicht gut zu sprechen: Grund ist ein Streit, der in der rheinland-pfälzischen Stadt seit etwa zwei Jahren hohe Wogen schlägt. Am südlichen Domvorplatz soll ein neues Gemeindezentrum entstehen, was den Zorn vieler Bürger hervorruft. Zwar lehnte der Stadtrat ein Bürgerbegehren gegen das »Haus am Dom« wegen rechtlicher Bedenken ab, doch der Widerstand gegen das Bauvorhaben geht weiter.

In dem Neubau sollen Räume für Chorproben und Gemeindegruppen zweier Innenstadt-Kirchengemeinden sowie ein Café untergebracht werden. Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs 2013 waren viele Wormser entsetzt über das geplante moderne Flachdachgebäude, das die Gegner nur als »den Klotz« bezeichneten. Innerhalb kurzer Zeit bekam eine Bürgerinitiative in der 80 000-Einwohner-Stadt 17 000 Protest-Unterschriften zusammen. »Wir haben mehr Stimmen bekommen als der Oberbürgermeister bei seiner Wahl«, sagt Gästeführer Winfried Thier, einer der Sprecher der Initiative.

Selbst in den kirchlichen Gremien gab es Kritik an dem Siegerentwurf, der als Folge des Unmuts grundlegend überarbeitet wurde. Doch auch diese zweite Variante mit ihrem 18 Meter hohen Spitzdach konnte die Gemüter in Worms nicht beruhigen. Die Bürgerinitiative sammelte erneut Unterschriften, dieses Mal für ein Bürgerbegehren, das der Stadtrat aber nach langem Zögern für unzulässig erklärte. Jetzt muss das Mainzer Verwaltungsgericht entscheiden, ob dies rechtens war. In der Zwischenzeit wurde bereits die Bauvoranfrage der Kirchengemeinde positiv beschieden. Die Ausstellung der Baugenehmigung dürfte nur noch eine Frage von Wochen sein.

»Wir schließen eine historische Baulücke«, sagt Klaus Berg vom Verwaltungsrat der Domgemeinde. Die katholische Kirche wehrt sich, so gut es geht, gegen die Kritiker. Dass es bei dem in die Jahre gekommenen alten Gemeindezentrum Handlungsbedarf gebe, habe der Mainzer Bischof Karl Lehmann schon bei seinem ersten Besuch in Worms festgestellt - in den 1980er Jahren. Auch das Schlagwort vom freien Blick sei irreführend, sagt der neue Dompropst Tobias Schäfer. Es gehe allenfalls um eine Blickachse. Wer ein wenig zur Seite gehe, könne auch künftig den Blick auf den Dom genießen.

Der Kirchengemeinde wurden mehrere Alternativen vorgeschlagen, wie ein »Haus am Dom« und der freie Blick in Einklang zu bringen wären. Der Stadtplaner Reinhard Lied etwa regte an, den Neubau von der Kirche wegzurücken und an die Stelle eines in Kirchenbesitz befindlichen Nachkriegswohnhauses zu setzen. Die Gemeinde lehnt dies ab - mit Hinweis auf die dort teils seit Jahrzehnten lebenden Mieter. Auch andere Standorte oder ein Umbau des alten Gemeindehauses würden ausscheiden, da dann der kirchliche Kindergarten für Jahre in Container umziehen oder ganz schließen müsste.

Vonseiten der Wormser Stadtoberen hatte das Projekt von Anfang an vollen Rückhalt. »Das Gemeindehaus ist sinnvoll und notwendig«, bekräftigt auch Oberbürgermeister Michael Kissel. Zweifellos gehöre es auch an den Dom. epd/nd

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