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Einsatz für Kobane

Mit Hungerstreik und Demo fordern Exil-Kurden mehr Unterstützung im Kampf gegen IS

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
Kurdische Organisationen gingen im Rhein-Main-Gebiet auf die Straße. Sie dringen auf mehr Beistand für den kurdischen Widerstand an der türkisch-syrischen Grenze.

Nach einem fünftägigen Hungerstreik von 30 Aktivisten von linken kurdischen Organisationen in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden war am Samstag Frankfurt am Main Schauplatz der kurdischen Solidaritätsbewegung.

Mehrere tausend Menschen, die meisten von ihnen kurdischer und türkischer Abstammung, marschierten vom Hauptbahnhof zum Römerberg. Sie begrüßten den Widerstand gegen die von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) belagerte Stadt Kobane, unweit der syrisch-türkischen Grenze. Es war ein Meer bunter Fahnen, etliche auch mit einem Abbild des seit 1999 vom türkischen Staat inhaftierten Mitbegründers der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan. Die Veranstalter warben für eine Unterstützung des Verteidigungskampfes in Kobane durch die internationale Gemeinschaft und forderten Sanktionen gegen alle Staaten in der Region, die den IS unterstützen. »Die Menschen in Kobane, die mit ihrem Leben Widerstand gegen den IS leisten, verteidigen die Werte der Demokratie und der Menschlichkeit für die gesamte Welt«, hieß es in einem Aufruf. »IS-Truppen sind ein Ziehkind der USA und Europas. Sie möchten das selbstverwaltete Kobane auf die Knie zwingen und einen Völkermord begehen«, so Mehmet Yildiz, ein Sprecher der Hungerstreikenden.

Die Demonstranten riefen »Salafisten, Mörder und Faschisten«. Auf einem Transparent der Kurdischen Frauenbewegung Darmstadt stand: »Alle Frauen weltweit vereint Euch gegen ISIS«. IS-Truppen hätten »Sklavinnen-Märkte aufgebaut und kurdische, turkmenische, jesidische und christliche Frauen versklavt«, so ihre Anklage.

»Das ist nicht das Ende, die Proteste gegen weiter«, bilanzierte Emine Pektas aus Hanau die Aktionen des Wochenendes. Sie sitzt für die Linkspartei im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises und hatte für das kurdische »Demokratische Volkszentrum« den Hungerstreik angemeldet. Man habe eine »tolle Resonanz« gefunden, lokale Medien und viele Besucher angelockt und Gespräche mit Linkspartei und SPD im Hessischen Landtag geführt. Die Menschen in Kobane seien die einzigen, die sich mutig und aufopferungsvoll dem IS-Ansturm entgegenstellten, sagt auch der kurdischstämmige Sozialarbeiter Mehmet Yilmaz, SPD-Mitglied aus Wiesbaden. »Wenn die Bundesregierung beteuert, dass sie gegen den IS sei, dann hätte ich mir gewünscht, dass sie die Kräfte in Kobane unterstützt.«

Abgesehen von Pektas, Yilmaz und einigen anderen hielt sich die offensichtliche Präsenz von linken Organisationen bei der Demonstration in Grenzen. So schwenkte Pascal Waldecker aus Mannheim als einziger eine Fahne der Linkspartei. »Wenn es eine linke Bewegung weltweit gibt, die von Faschisten angegriffen wird, dann braucht sie unsere Unterstützung«, so Waldecker gegenüber »nd«. Eine Sprecherin des »Internationalistischen Aktionsbündnisses Frankfurt« forderte eine Aufhebung des PKK-Verbots und kritisierte, dass die IS-Truppen über Katar und Saudi-Arabien moderne deutsche Waffen erhielten. Für Bernd Oliver Sünderhauf, aktiv in der Mainzer Linkspartei und im Bündnis »Perspektive Kurdistan«, ist es »beeindruckend und legendär«, wie sich eine kleine isolierte Stadt mit alten Waffen schon 20 Tage lang gegen hochgerüstete IS-Kräfte verteidige. Um den Ansturm abzuwehren, benötigten die Verteidiger von Kobane neuere Waffen. Dazu möchte Sünderhauf jetzt mit Spendensammlungen beitragen, die sich an der von der Tageszeitung »taz« in den frühen 1980er Jahren unterstützte Kampagne »Waffen für El Salvador« orientieren.

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