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Zwei Fehler, eine Niederlage

Turbine Potsdam unterliegt unglücklich in Wolfsburg

  • Von Max Zeising, Wolfsburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit einem Remis hätten die Fußballerinnen von Turbine Potsdam die Tabellenführung in der Bundesliga verteidigt. Doch in der 88. Minute erzielte Martina Müller das Siegtor für die Wolfsburgerinnen.

Als nur noch wenige Minuten zu spielen waren, wurden auf der Pressetribüne des VfL-Stadions am Elsterweg schon einmal die Namen der Spielerinnen notiert, die nach der Partie interviewt werden sollten. Drei standen auf dem Zettel: Babett Peter, Alexandra Popp und Lena Goeßling. Doch just in dem Moment, als die Medienvertreter des VfL Wolfsburg fertig waren, mussten sie noch eine vierte Spielerin hinzufügen: Martina Müller. Die Wolfsburger Stürmerin hatte soeben, in der 88. Minute des Bundesliga-Spitzenspiels gegen Turbine Potsdam, das nicht mehr für möglich gehaltene Siegtor geschossen. Nach einem langen Ball und einer Kopfballverlängerung stand Müller frei vor Potsdams Torhüterin Anna Felicitas Sarholz und brachte den Ball abgeklärt über die Linie. Wolfsburg holte sich kurz vor Schluss den 2:1-Sieg - und zugleich die Tabellenführung.

Entsprechend groß war die Freude bei den Wolfsburgerinnen nach dem Abpfiff. »Es hat alles gepasst. Es war genau so, wie wir uns das vorgestellt hatten«, jubelte Martina Müller, die sich noch beim abschließenden Auslaufen von den Fans feiern ließ. »Aufgrund der ersten Halbzeit, als wir uns viele Möglichkeiten herausgespielt haben, geht der Sieg in Ordnung«, meinte Teamkollegin Babett Peter. Dabei hatte es lange Zeit nach einem schmerzhaften Punktverlust für die Gastgeberinnen ausgesehen. Genoveva Anonma hatte die Potsdamerinnen in der 16. Minute in Führung gebracht. Nach einem öffnenden Pass von Julia Simic traf die Angreiferin erst den Pfosten und dann das Tor. Es war das erste Gegentor für die Wolfsburgerinnen in dieser Saison. Zuvor hatten sie fünfmal zu null gespielt.

Anonma machte aber nicht nur mit ihrem Tor auf sich aufmerksam. Nachdem sie bereits kurz nach Anpfiff ziemlich rüde in einen Zweikampf gegangen war und gleich die Gelbe Karte kassiert hatte, war sie für den Rest des Spiels der Sündenbock der Zuschauer. Die Stürmerin wurde ab sofort bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Besonders laut war das Pfeifkonzert bei ihrer Auswechslung zehn Minuten vor Schluss. »Das ist eine Geschichte aus dem letzten Jahr«, erklärte Potsdams Trainer Bernd Schröder. Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften im Mai hatte Turbine Rassismus-Vorwürfe erhoben. Anonma sei von der Wolfsburger Bank aufgrund ihrer Hautfarbe beleidigt worden. »Ich will jetzt nicht mehr darüber reden«, sagte Schröder.

Auch sportlich missfiel dem Trainer so einiges. »Wir haben zwei entscheidende Abwehrfehler gemacht, die zu den beiden Gegentoren geführt haben«, kritisierte er. Sonst wäre seiner Mannschaft ein Achtungserfolg gelungen. Daran hätte auch der Ausgleichstreffer von Alexandra Popp in der 31. Minute nichts geändert. Denn die Gäste hätten wesentlich besser mit einem Unentschieden leben können als die Heimmannschaft. »Gegen Gegner ab Tabellenplatz fünf werden sich die Potsdamerinnen keine Ausrutscher erlauben. Die spielen nicht in der Champions League und können sich voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren«, erklärte VfL-Trainer Ralf Kellermann. Zudem wäre Turbine mit einem Remis an der Tabellenspitze geblieben.

Doch dann kam Martina Müller und erzielte nicht nur das Siegtor, sondern stahl ihrer Teamkollegin Lena Goeßling auch so ein bisschen die Show. Die deutsche Nationalspielerin war nach ihrer Zehenverletzung früher als geplant wieder fit und wurde eine halbe Stunde vor Schluss eingewechselt. Auch wenn Goeßling am Ende nicht im Mittelpunkt stehen sollte, freute sie sich natürlich trotzdem über ihr Comeback: »Ich habe nicht damit gerechnet, heute wieder zu spielen. Ich war richtig überrascht.«

Es ist also alles gut beim VfL Wolfsburg. Verständlich, denn die Verhältnisse im Frauenfußball sind nun aus Sicht des Meister und Champions-League-Siegers wieder zurechtgerückt. Für die Potsdamerinnen wird es schwer, die Tabellenführung zurückzuerobern. Kommendes Wochenende steht das nächste schwere Spiel auf dem Plan - Bayern München kommt nach Babelsberg.

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