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Mord und Totschlag

Ingo Wirth und Remo Kroll über die hohe Aufklärungsrate in der DDR

Das Interesse an Tötungsverbrechen ist wegen der außergewöhnlichen Schwere der Taten ungebrochen und wird durch die moderne Informationsindustrie permanent wachgehalten. In das grausige Universum der Gewalt, von Boulevardblättern und Medien fortwährend mit neuem Stoff versorgt, treten die Zeitgenossen auf der ganzen Welt täglich millionenfach ein. Und damals in der DDR? Gab es überhaupt Mörder und Totschläger? Wie wurde darüber berichtet?

Ingo Wirth, Professor an der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg, und Remo Kroll, Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Berlin, haben über die Morduntersuchung in der DDR ein Buch geschrieben. Fiese Verbrecher treten auf - und intelligente, hervorragend ausgebildete Ermittler, die den Tätern (fast) immer auf der Spur waren.

Ungefähr 130 Fälle gab es im Jahr, statistisch gesehen kam ein Tötungsverbrechen auf 100 000 Einwohner. Wohl kein anderes Land in der Welt hatte eine solch niedrige Quote aufzuweisen. Die Autoren geben als durchschnittliche Aufklärungsquote 98 Prozent an.


Buch bestellen:
* Ingo Wirth/Remo Kroll: Morduntersuchung in der DDR. Verlag Dr. Köster. 459 S., geb., 29,80 €.


1969 und 1971 wurden drei Jungen aus Eberswalde auf sadistische Weise ermordet. Erwin Hagedorn war der wahrscheinlich bekannteste Serienmörder der DDR. Grundlage für seine Festnahme war ein herausragendes Täterprofil von Prof. Dr. Hans Szewczyk, der seit 1961 die Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychologie an der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin leitete. Heute wird der Begriff des »Profilers« mit dem FBI assoziiert, das diese Methode angeblich entwickelt haben soll. Es war aber Szewczyk, der das erste wissenschaftlich begründete Täterprofil der Welt erarbeitet hat, was mittlerweile auch in der Fachliteratur anerkannt ist.

Ausführlich berichten Kroll und Wirth über die vorbildliche Ausbildung von Kriminalisten in der DDR. 87,6 Prozent der Leiter der Mordkommissionen verfügten über einen Hochschulabschluss (der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität bzw. der Hochschule der Deutschen Volkspolizei). In Spezialkommissionen (SK) des Ministeriums für Staatssicherheit waren ebenfalls sehr gut ausgebildete Mordermittler tätig. Darüber lesen wir: »Von den 15 SK-Leitern besaßen 13 einen Universitätsabschluss als Diplomkriminalist und zwei einen Fachschulabschluss.«

Neben Ausführungen zu Mord und Totschlag in der DDR gibt es auch Kapitel über Suizide, über die Untersuchung von Katastrophen (u.a. des Eisenbahnunglücks von Langenweddingen oder des Flugzeugabsturzes bei Königs Wusterhausen). Wirth und Kroll weisen nach, dass viele Verbrechen nur durch Hinweise aus der Bevölkerung aufgeklärt wurden.

Alle Kriminalpolitiker und Polizeiführungskräfte dieses Landes sollten das Buch lesen, denn es liefert hilfreiche Hinweise und Erkenntnisse für eine erfolgreiche Aufklärungspraxis.

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