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»Fruchtbares Land, an Schätzen reich, gibt erst Dasein den Künsten.«

Lothar Vossmeyer porträtiert Brandenburgs Kurfürsten der Reformationszeit

Die Hohenzollern sind wieder präsent, durch den Wiederaufbau des Stadtschlosses in Berlin und der Garnisonkirche in Potsdam. Was sich im 16. Jahrhundert in der Kurmark Brandenburg ereignete und welche Rolle die Dynastie spielte, dürfte weniger bekannt sein. Der eine oder andere weiß vielleicht um die Gründung der Universität in Frankfurt an der Oder 1506 oder um die Fehde des Pferdehändlers Hans Kohlhase 1532 bis 1540, dem Heinrich von Kleist in einer Novelle ein Denkmal setzte. Wer mehr über diese Zeit wissen möchte, sollte zu dem Buch von Lothar Vossmeyer greifen.

Als Friedrich VI. aus dem schwäbischen Haus Zollern, Burggraf von Nürnberg, 1411 von König Sigmund als oberster Hauptmann und Verweser der Mark Brandenburg eingesetzt wurde, um die Aufsässigkeit des märkischen Adels zu brechen und für Ordnung im Land zu sorgen, sah dieser darin keine verlockende Aufgabe. »Es gab dort weder einen blühenden Handel noch Bodenschätze, nur dünn besiedeltes Flachland mit viel Sand, Kiefern, Birken, Wasser, Sümpfen und einer Bevölkerung, die in Friedrichs fränkischer Heimat als rückständig und unzivilisiert galt. Das Wertvollste war der Kurfürstentitel, den die brandenburgischen Markgrafen traditionell führten.« Anders sah das Ulrich von Hutten, als er 1507 aus Anlass der Gründung der Viadrina dichtete, »fruchtbares Land, an Schätzen reich, gibt erst Dasein den Künsten. Und so vereint die Mark Reichtum und Weisheit in sich.«


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* Lothar Vossmeyer: Brandenburgs Kurfürsten der Reformationszeit. Drei Hohenzollern-Porträts. Verlag für Berlin- Brandenburg. 256 S., geb., 19,99 €.


Die drei während des 16. Jahrhunderts regierenden Kurfürsten Joachim I. (1499-1535), Joachim II. (1535-1571) und Johann Georg (1571-1598) nahmen jeder auf seine Weise Einfluss auf die Entwicklung des Landes. Joachim I. blieb bis zu seinem Tod ein entschiedener Gegner Luthers und der von ihm geprägten Reformation. Joachim II. sah sich angesichts der starken protestantischen Einflüsse in seinem Land gezwungen, die Reformation offiziell zu sanktionieren, wenngleich er sich nur halbherzig vom alten Kirchenwesen löste und auf Vermittlung zwischen den Konfessionen bedacht war. Johann Georg hingegen war ein orthodoxer Lutheraner, der jede Abweichung vom protestantischen Bekenntnis strikt ablehnte.

Die drei Kurfürsten werden zudem in ihrem familiären Umfeld vorgeführt: Wie wurden die Prinzen erzogen? Welche Rolle spielten verwandtschaftliche Beziehungen? Wie konnte die Erbfolge des Hauses Hohenzollern - auch angesichts der hohen Kindersterblichkeit - gesichert werden? Welche Ehekrisen belasteten die Dynastie? Der Autor beschreibt auch das Verhältnis der Kurfürsten zu den Nachbarn, zum Kaiser und ihre Rolle in der Reichspolitik. Aufschlussreich ist beispielsweise, wie sie bzw. ihre Berater bei der Kaiserwahl 1519 oder auf den Reichstagen 1521, 1530, 1547 und 1555 agierten. Im Hintergrund bleibt, was deren Regierung für das Land und seine Bevölkerung erbrachte. Ansonsten ist dies ein Buch, das man mit Gewinn liest.

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