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  • Kultur
  • Buchmesse Frankfurt/Main

Der Mann mit den Schlüsseln

Phil Hogan erzählt von einer seltsamen Obsession

  • Von Walter Kaufmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Dem Journalisten und Kolumnisten Phil Hogan aus dem englischen Hertfordshire muss schon in seinem ersten Roman Phantasie bescheinigt werden. Wie er den noch jungen, früh erfolgreichen Immobilienmakler Heming auf die vielfältigste Art zu den Schlüsseln fremder Häuser gelangen lässt, damit er dort eindringen und die Intimsphäre der Besitzer erforschen kann, ist erstaunlich. Und kühn wirkt, dass sich Heming dabei sogar die Zeit nimmt, die Räumlichkeiten zu fotografieren und sein Geheimzeichen in ein Möbel zu ritzen.

Anschließend lässt Hogan den Mann mit sehr englischem Humor erzählen, was ihm das alles bringt. Bei einem Romanumfang von nahezu vierhundert dicht gedruckten Seiten kann das nicht durchweg unterhaltsam bleiben. Wie auch immer, Mr. Heming erweist sich in seiner Beharrlichkeit als geradezu abartig, als eine Art Phantom, dem man Liebessehnsüchte und Eifersuchtsanwandlungen nicht recht glauben mag. So sehr er auch der schönen Buchhändlerin Abigail auflauert und nicht aufhört, sich nach ihr zu verzehren, die junge Frau wird ihre Verbindung zu einem verheirateten Mann nicht lösen. Noch wird Mr. Heming sich von seinem Drang nach fremden Häusern, fremden Geheimnissen befreien können. »Ich bin kein Spanner, der nachts vor Fenstern steht«, behauptet er zwar (was nicht stimmt: hat er nicht Abigail und ihren Liebhaber immerzu beschattet und belauscht?) »Bin kein Stalker, kein Voyeur«, (was gleichfalls angezweifelt werden muss, wenn man erlebt hat, mit welcher Inbrunst Heming einem ihm unbekannten Autofahrer auf der Spur geblieben ist, den er bei einem Unfall mit Fahrerflucht beobachtet hatte.) »Betrachten Sie mich als Ihren unsichtbaren Bruder, Onkel oder Freund. Ich bereite Ihnen keine Schwierigkeiten.« (Wirklich? Die Schwierigkeiten, die Heming dem Fahrerflüchtigen verursacht, sind enorm - sie vertreiben den Mann aus seinem Haus und aus der Gegend.)


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* Phil Hogan: Die seltsame Berufung des Mr. Heming. Roman. A. d. Engl. v. Alexander Wagner. Verlag Kein & Aber. 366 S., geb., 19,90 €.


»Vielleicht bin ich da, wenn Sie zu Hause sind, vielleicht auch, wenn Sie gerade außer Haus sind«, fährt er in seiner Selbstbetrachtung fort, »aber am wahrscheinlichsten bin ich gerade da gewesen, kurz bevor Sie nach Hause kommen.« Mag auch der im Roman dargestellte englische Alltag selbst dann noch wirklichkeitsnah erscheinen, wenn sich die Begebenheiten zuspitzen (es gibt Mordverdächtigungen und polizeiliche Ermittlungen), Mr. Hemings Berufung bleibt seltsam, beängstigend.

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