• Kultur
  • Buchmesse Frankfurt/Main

Blinder Fleck Kindheit

Esther Kinsky erzählt von Fundstücken einer Biografie

  • Von Fokke Joel
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Hinter dem Titelblatt, auf der ersten Seite von Esther Kinskys Roman »Am Fluss«, befindet sich ein altes sepiabraunes Foto. Darauf ist ein Mädchen zu sehen, zehn, elf Jahre alt. Nur die Mitte des Bildes, dort, wo das Mädchen steht, ist scharf. Der Rest ist unscharf, wodurch der Eindruck entsteht, alles strebe von ihr fort, »wie von einem rasenden Sog ergriffen, der nur diesen stillen Mittelpunkt von Gesicht, Brust und Armen des Kindes verschont ließ«. Das Mädchen scheint außerdem blind zu sein, denn trotz »der ahnenden Wachheit ihres Blickes wirkten die Augen geschlossen, unsehend.«

Esther Kinsky gibt in ihrem Roman einer in eine Lebenskrise geratenen Frau Stimme und lässt sie in einer dichten, poetischen Sprache von ihrem Leben in London erzählen. Immer wieder erinnert sich die Frau dabei an ihre Kindheit. Eine Kindheit, die für das Kind, das sie war, nicht existiert hat. Denn als Kind nimmt man sein Leben nicht als Kindheit ...

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