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Artenschutz per Ablasshandel

USA erlassen Indonesien Schulden, im Gegenzug sollen Tiere und Natur gerettet werden

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Zwölf Millionen Dollar Schulden muss Indonesien nicht an die Vereinigten Staaten zurückzahlen. Für dieses Geld sollen Tiere gerettet und Regenwälder geschützt werden.

»Wenn der Taler im Beutel klingt, die Seele in den Himmel springt« lautete der Spottvers der Mitstreiter Martin Luthers in ihrem reformistischen Eifer gegen den von Papst und Bischöfen im 16. Jahrhundert schwunghaft betriebenen Ablasshandel. Auf der Suche nach Wegen und Methoden, Anreizen und Finanzierung zur Bewahrung der Umwelt und Arten feiert der Ablasshandel in unserer Zeit seine Auferstehung. Der Taler im Beutel sind die Schulden, die die USA Ländern erlassen, wenn sie das so gesparte Geld für klar definierte Umwelt- und Artenschutzprojekte einsetzen. Der so geretteten Artenseele bleibt der Himmel, also die Ausrottung, erspart.

Gerade in der vergangenen Woche haben die USA in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Conservation International (CI) ein solches Schuldenerlassabkommen mit Indonesien geschlossen. Es geht um zwölf Millionen Dollar. Das klingt zunächst angesichts der Schuldenlast Indonesiens und der Milliarden, die zur Rettung der globalen Umwelt und des Weltklimas benötigt werden, nach Peanuts. Jedoch kommt es oft gar nicht so sehr darauf an, wie viel Geld zur Verfügung steht, sondern wie effektiv es eingesetzt wird.

Im konkreten Fall werden in 13 Gebieten auf der Insel Sumatra Projekte zum Schutz der Artenvielfalt und der Wälder finanziert. Über einen Fonds stehen diese Mittel in den kommenden sieben Jahren lokalen Umwelt- und Naturschutzorganisationen zur Verfügung. »Vielen Schutzgebieten fehlt es an Mitteln zur effektiven Durchsetzung des Schutzes«, sagt Ketut Putra, Vizepräsident von CI Indonesia. »Ein Schuldenerlass zum Schutz der Natur ist eines der innovativen und wirksamen ökonomischen Instrumente, die uns zum Erhalt von Ökosystemen, Lebensgrundlagen und Arten zur Verfügung stehen.«

Wie dem rapiden Artenschwund Paroli geboten werden kann, ist auch die große Frage, auf die bis zum 17. Oktober die rund 20 000 Teilnehmer der 12. UN-Biodiversitätskonferenz im südkoreanischen Pjöngjang eine Antwort suchen. Regierungsvertreter aus 190 Ländern wollen beraten, wie die im Jahr 2010 verabschiedete globale Strategie zum Artenschutz umgesetzt wird.

Die Staatengemeinschaft müsse aufs Tempo drücken, fordert der WWF Deutschland. Um die biologische Vielfalt sei es so schlecht bestellt wie noch nie, warnte der Umweltverband in einem vor der Konferenz veröffentlichten Bericht. In den vergangenen 40 Jahren haben sich demnach die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen im Schnitt halbiert.

Die Debt-for-Nature-Initiative der USA ist nicht die erste ihrer Art. Ebenfalls mit Indonesien hatten die USA im Frühjahr ein Schuldenerlassabkommen in Höhe von 28,5 Millionen Dollar abgeschlossen. Im Gegenzug stellt Indonesien dem WWF, Nature Conservancy sowie Umweltschutzorganisationen auf Kalimantan (Borneo) Mittel zum Schutz der Wälder zur Verfügung.

Die rechtliche Grundlage solcher Deals bildet das Gesetz zum Erhalt tropischer Wälder, von dem seit 1987 fast vierzig Länder in Asien, Afrika, Südamerika und Europa (Polen und Bulgarien) profitiert haben. Schulden in Höhe von rund einer Milliarde Dollar wurden bisher für den Erhalt der Natur umgewidmet.

Bleibt zu hoffen, dass der aktuelle Schuldenerlass für Indonesien für besonders bedrohte Tierarten wie das Sumatra-Nashorn nicht zu spät kommt. Vom kleinsten und urtümlichsten der fünf derzeit weltweit lebenden Nashornarten tummeln sich auf Sumatra nur noch knapp 100 Tiere.

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