Werbung

Londoner staunen Bauklötze

Amerikanischer Lego-Künstler stellt seine Werke aus

  • Von Marc Schäfer, London
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

David oder Mona Lisa: Der Amerikaner Nathan Sawaya baut Meisterwerke der Kunstgeschichte mit Legosteinen nach. 80 Skulpturen sind derzeit in London zu sehen.

Die Erfolgsgeschichte von Nathan Sawaya begann mit einem Hund. Da er als zehnjähriger Junge keinen lebenden haben durfte, baute er sich kurzerhand einen aus Legosteinen. Sein Vierbeiner sei damals zwar lebensgroß, jedoch noch sehr bunt und eckig gewesen, sagt Sawaya heute. Längst hat der »Lego-Künstler« seine Technik perfektioniert.

Zu seiner Sammlung gehören mittlerweile Interpretationen klassischer Meisterwerke der Kunstgeschichte oder ein sechs Meter langer Dinosaurier - all das gefertigt aus den weltberühmten rechteckigen Steinchen. 80 seiner Skulpturen stellt der 41 Jahre alte US-Amerikaner noch bis zum 4. Januar 2015 in London aus.

Für seine Werkschau »The Art of the Brick« in der Old Truman Brewery - passenderweise in der Brick Lane im pulsierenden Osten der Stadt - hat Sawaya mehr als eine Million Steine verbaut. Über 4200 Stunden habe die Herstellung gedauert. CNN bezeichnete die Ausstellung, die seit 2007 von mehr als einer Million Besucher in Nordamerika, Asien, Australien und Europa gesehen wurde, schon vor drei Jahren als eine der zehn sehenswertesten der Welt. In Deutschland haben die Veranstalter bislang noch keinen geeigneten Ort gefunden.

Die Londoner pendeln in Scharen gen Osten und bestaunen in den Kellerräumen der ehemaligen Brauerei u. a. die Legonachbildungen von Michelangelos David, der Venus von Milo oder Rodins Denker - in schlachtschiffgrau. Auch die Mona Lisa gehört zu den Ausstellungsstücken - hier allerdings im Pixel-Look.

Sawayas Arbeiten pendeln zwischen Kinderzimmer und Kunstgalerie. Manche seiner Werke könnten auch im Legoland stehen. Niemand käme dort auf die Idee, sie als Kunst zu bezeichnen. Mit anderen wiederum schafft er es eindrucksvoll, zum Nachdenken anzuregen. Der »Independent« meint: »Die Ausstellung ist dumm und unheimlich nachdenklich stimmend zugleich«. So zeigt »Incomplete« beispielsweise einen Mann, dem ein Teil seines Körpers fehlt. »Mask« stellt einen Menschen dar, der sich die Fassade vom Gesicht nimmt, hinter der es sich so angenehm verstecken lässt.

Menschliche Körper sind Sawayas liebstes Objekt. Darunter fällt sein wohl berühmtestes Werk »Yellow«. Es zeigt einen männlichen Oberkörper mit aufgerissener Brust aus knapp 11 000 Steinen. Aus seinem Inneren fallen gelbe Steine heraus. »In meinen Kunstwerken sieht man, dass ich aus kleinen Rechtecken auch menschliche Formen mit all ihren komplizierten Kurven darstellen kann«, sagt Sawaya.

Aus der Ferne betrachtet lösen sich die Ecken und Kanten seiner Werke tatsächlich auf. »Wie so oft im Leben ist es eine Frage der Perspektive. Aus der Nähe ist die rechteckige Form des einzelnen Steins prägend. Von weitem betrachtet werden die Linien zu Kurven«, so der Künstler. Seinen Job als Rechtsanwalt hat Sawaya 2002 aufgegeben. Seitdem ist seine zweite Karriere ganz auf Lego ausgerichtet. »Beim Herstellen von Skulpturen habe ich mich wohler gefühlt, als beim Verhandeln von Verträgen in Vorstandsräumen«, sagt er rückblickend.

Er habe Lego als Material gewählt, da es seine Kunst leicht zugänglich mache. Fast jeder sei in seinem Leben schon mit den Steinen aus Dänemark in Berührung gekommen. Saway erhält noch heute von seinen Eltern zum Geburtstag und zu Weihnachten Legospielzeug. »Das ist ein Running-Gag geworden«, sagt er. Für seine erste Ausstellung in England hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen: Die Besucher werden unter anderem mit einer Nachbildung der Beatles verabschiedet - und eine rote Telefonzelle darf auch nicht fehlen. dpa

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!