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Jugendjahre einer Revolutionärin

Tina Modotti - Ausstellung in der Schweiz

  • Von Sabine Hunziker
  • Lesedauer: 3 Min.

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Gitarre, Maiskolben, die Sichel und ein Patronengurt - diese Gegenstände symbolisierten die mexikanische Revolution. Tina Modotti fotografierte und stellte ihr Können in den Dienst der revolutionären Bewegung ihrer Zeit. Eine Ausstellung in St. Gallen in der Schweiz beleuchtet neu und auch detaillierter die Jugendjahre der Revolutionärin in der Region Friaul in Italien. Modottis Kindheit wurde mit Material aus Archiven vor Ort oder auch mit Gesprächen aufgearbeitet. »Alle gaben mir bereitwillig Auskunft, da sie froh waren, dass endlich jemand auch die Jugendjahre einbezog«, meint Kuratorin Isabella Studer-Geisser. Was man mit dem Namen Tina Modotti verbindet - Fotografie, politisches Engagement und Emigration - findet sich bereits in ihrer Familiengeschichte.

1896 wurde Assunta Modotti, genannte Tina im oberitalienischen Udine geboren. Die Großfamilie lebte in Armut und zog mehrmals um - auf der Suche nach Arbeit. Wieder zurück in Udine verließ Tina die Schule vorzeitig, um mit ihrem Fabriklohn zum Überleben der Familie beizutragen. In der ländlichen Gegend, war der Sozialismus im Vormarsch. Schuhmacher Demetrio Canal, ein enger Freund ihres Vaters, war Tina Modottis Taufpate und einer der ersten Sozialisten in Udine.

Auch die Fotografie gehörte schon früh zur Welt der späteren Kommunistin. Onkel Pietro Saltarini Modotti eröffnete 1890 ein eigenes Fotoatelier. Zu einer Zeit, wo Fotos seltene und teure Produkte waren, wurden Tina und ihre Geschwister oft porträtiert. Tina Modotti selber arbeitete zeitweise im Atelier mit und kannte sich mit Fotoapparaten aus.

Mit 16 Jahren musste die junge Frau aus wirtschaftlichen Gründen die Region Friaul verlassen und folgte dem Vater und der Schwester nach Amerika. Sie teilte dieses Schicksal mit vielen anderen Friulanern, die in der Emigration eine neue Existenz suchten. Tina Modotti war später Fotoschülerin von Edward Weston. Sie stand auch Diego Rivera Modell und mit Frieda Kahlo verband sie eine Freundschaft. Während der mexikanischen Revolution wurde Modotti selber als Fotografin und Revolutionärin weltberühmt.

Ihre große Liebe und ihren Genossen Julio Antonio Mella lernte sie bei ihrer Arbeit in der kommunistischen Partei kennen - doch er wurde erschossen. Nach dem Verbot der Partei und einem Attentat auf den Präsidenten erfolgt 1930 die Ausweisung vieler Linker aus Mexiko. Auch für Tina Modotti begann eine Odyssee als Revolutionärin um die Welt, die mit ihrem tragischen Tod 1942 endete. Von Tina war zuletzt nur noch ein Schatten der früheren Frau geblieben, »eine passive Gestalt«, schreibt Biograf Pino Cacucci. Resignation? Zerbrochen an den vielen Verbrechen zwischen den beiden Weltkriegen?

Die Ausstellung in St. Gallen löste bei Beginn ein Skandal aus - jedoch nicht wegen Modottis bis jetzt ungeklärten Rolle als angebliche stalinistische Agentin. Das Plakat zur Ausstellung im HVMSG Historisches und Völkerkundemuseum, wo eine Aktfotografie der Revolutionärin zu sehen war, wurde als sexistisch eingestuft und durch eine Neugestaltung ersetzt.

Tina Modotti - Emigrantin, Fotografin. Revolutionärin Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen, Museumsstraße 50. Bis 4.1. 2015, Di-So 10-17 Uhr

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