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Neid begünstigt Alzheimer

Schwedische Studie sieht bei neurotischem Verhalten das Demenzrisiko erhöht

Neid und Angst sind keine guten Ratgeber für das Leben. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sie sogar das Risiko für eine Demenzkrankheit erhöhen könnten.

Göteborg. Neidische, launische und auch ansonsten unausgeglichene Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Alzheimer und andere Demenzerkrankungen. Dies berichten Wissenschaftler der Universität Göteborg vor kurzem in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift »Neurology«.

Für die Untersuchung beobachtete das Team um die Wissenschaftlerin Lena Johansson 800 Frauen über einen Zeitraum von 38 Jahren hinweg und ermittelte mit Hilfe verschiedener Fragen ihr Ausmaß an Neurotizismus sowie ihre Intro- und Extrovertiertheit. Neurotizismus schließt Charakterzüge wie Neid, Launenhaftigkeit, Reizbarkeit, Neigung zu Nervosität und Anfälligkeit für Stress ein. Neurotische Menschen neigen eher zu Wutanfällen, Ängstlichkeit und Depressionen.

Insgesamt erkrankten 153 der untersuchten Frauen an Demenz, darunter 104 an Morbus Alzheimer. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Frauen, die sich in den Tests als sehr neurotisch zeigten, doppelt so häufig eine Demenz bekamen wie diejenigen, die hier sehr niedrige Werte hatten. Allerdings hing ersteres auch davon ab, ob die Frauen über einen längeren Zeitraum hinweg Stress ausgesetzt waren.

Intro- und Extrovertiertheit alleine schienen das Risiko für Demenz nicht zu erhöhen. Frauen, die jedoch hohe Neurotizismuswerte hatten und introvertiert waren, wiesen in der Studie das höchste Alzheimer-Risiko auf. Von 63 dieser Probandinnen erkrankten 16 an Alzheimer. Das waren 25 Prozent. Dagegen erkrankten acht von 64 Frauen, die extrovertiert und weniger neurotisch waren. Das war ein Anteil von 13 Prozent.

Für ihre Ergebnisse gibt es den Wissenschaftlern zufolge mehrere mögliche Erklärungen: So könne die Persönlichkeit eines Menschen seine Gewohnheiten und damit das Demenzrisiko beeinflussen, schreiben sie. Weniger neurotische Menschen hätten oft einen gesünderen Lebensstil. Ein zweiter möglicher Grund sei, dass sowohl Neurotizismus als auch Stress für Veränderungen im Hippocampus verantwortlich gemacht werden. Schäden am Hippocampus beeinflussen Lernen, Erkennen und die Gedächtnisleistung. Eine dritte Erklärung sei, dass Neurotizismus mit einer Zunahme von sogenannten neurofibrillären Bündeln einhergehe - also alzheimertypischen Strukturveränderungen im Gehirn.

Der Neurologe Prof. Stefan Knecht hält die Studie für plausibel: »Es gab schon vorher Hinweise darauf, dass emotional labile Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, eine Demenz zu entwickeln«, erklärte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN). »Das Immunsystem ist bei Dauerstress immer leicht aktiviert. Und diese leichtgradige Entzündung kann die Arteriosklerose, die sogenannte Gefäßverkalkung, fördern. Dieses trägt auch zu kognitivem Abbau bei.« Prof. Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hält die Studie für methodisch gut, hält aber weitere Untersuchungen für nötig, um die These bestätigen zu können.

Schwedische Wissenschaftler vom Karolinska Institut in Stockholm fanden bereits 2009 heraus, dass Menschen, die sich als ruhig und entspannt bezeichneten und unter Stress nicht übermäßig gereizt reagierten, weniger oft dement werden. Im Verlauf einer sechsjährigen Nachbeobachtung erkrankten von ihnen 50 Prozent weniger an Demenz als von den übrigen Teilnehmern. dpa

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