Werbung

Häuser als Hingucker

Mecklenburg-Vorpommern: Künstler wollen künftig an allen Neubauprojekten im öffentlichen Raum beteiligt werden

  • Von Grit Büttner, Schwerin
  • Lesedauer: 3 Min.
Kunst am Bau gibt oft erst den letzten Schliff. Der Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommerns will die Kommunen nun stärker in die Pflicht nehmen: Bei Neubauten sollen mehr Künstler zum Zuge kommen.

Der Künstlerbund in Mecklenburg-Vorpommern hat ein stärkeres Einbinden künstlerischer Gestaltungsideen bei Neubauten gefordert. Vor allem die Kommunen sollten dazu in die Pflicht genommen werden, sagte Landesvorsitzende Miro Zahra. Es gebe ein großes öffentliches Interesse an Kunst an Bauwerken, in Parks oder auf Grünflächen. »Kunst im öffentlichen Raum ist ein wichtiges Instrument, um zeitgenössische Kunst einem breitem Publikum zu vermitteln«, betonte Zahra.

Laut Finanzministerium gibt es im SPD/CDU-regierten Mecklenburg-Vorpommern bei Landesbauten eine Verpflichtung zur Beteiligung von Künstlern. Eine Richtlinie für den Landesbau sieht dies aber nur für den Fall vor, dass Zweck und Bedeutung der Baumaßnahmen das Einbeziehen von Kunstschaffenden rechtfertigen, wie ein Sprecher erklärte. Die dafür anzusetzenden Kosten werden prozentual von den Bauwerkskosten ermittelt und liegen zwischen 0,3 und 1,7 Prozent der Bausumme. Bei einem Volumen von mehr als fünf Millionen Euro sollen maximal 50 000 Euro für Kunstwerke oder künstlerisch gestaltete Bauteile fließen.

Eine solche Regelung wünscht sich der Künstlerbund für den gesamten öffentlichen Raum, wie Verbandsvorsitzende Zahra sagte. Es solle geprüft werden, inwieweit die Landesrichtlinie generell auch für kommunale Bauvorhaben angewendet werden kann, erklärte sie. In vielen Städten und Gemeinden fehle es an Erfahrungen für entsprechende Ausschreibungen und Wettbewerbe, meinte die Malerin aus Plüschow bei Wismar.

Um den Aufwand für die ausschreibenden Kommunen gering zu halten, könnten bei kleineren Vorhaben Künstlerwettbewerbe auch beschränkt und nur ein Pool von Bewerbern eingeladen werden, erklärte die Verbandschefin. »Wichtig ist die ausgewogene Balance zwischen den auswärtigen und regionalen Künstlern, die zu Wettbewerben eingeladen werden.«

Als Hilfe für die Kunstschaffenden im Nordosten will der Künstlerbund bis zum Jahresende ein Handbuch für Bewerbungen herausbringen. Es solle Informationen und Tipps für die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen enthalten. Künstler sollten sich ganz gezielt mit thematischen Gestaltungsideen für konkrete Bauvorhaben und Aufträge bewerben, empfiehlt Miro Zahra. Der Aufwand lohne sich, denn mit der Einbindung in öffentliche Bauten könne ein Künstler gute Referenzen und mehr Bekanntheit erlangen.

Beispiele für Kunst an Landesbauten im Bundesland finden sich zum Beispiel in den Universitätsstädten Rostock und Greifswald. 2013 erarbeitete der Rostocker Künstler Wolfgang Friedrich eine Skulptur und die Wandgestaltung für das Vestibül des umfassend sanierten Universitäts-Hauptgebäudes der Hansestadt. Kosten: 44 000 Euro.

Im Jahr 2012 schuf Jutta Albert aus Lübstorf bei Schwerin im verglasten Innenhof des neu gebauten Rostocker Rechenzentrums eine riesige Skulptur aus Keramikstäben. Der Stralsunder Bildhauer Frank Raendchen gestaltete 2011 die Sitzbereiche »book-lounge« für die Außenanlagen des neuen Hörsaals in Rostock. Die neu errichtete Mensa der Hochschule in Wismar wurde von Berliner Künstlern mit den Wandbildern »Durch dick und Dünn« verschönert.

Aber auch private oder kommunale Bauherren lassen sich das Aussehen ihrer Projekte in Nordosten etwas kosten. Kunstobjekte etwa gibt es in Krankenhäusern wie dem Müritz-Klinikum Waren an der Müritz, den Kliniken Schwerin, Neubrandenburg und Greifswald, in Wohnvierteln wie in Stralsund-Grünhufe, Rathäusern wie in Bergen auf Rügen oder Sporthallen wie in Kühlungsborn-West. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln