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UNO: 3660 Tote im Ukraine-Konflikt

Separatisten sehen verstärkten Einsatz der OSZE zur Überwachung der Waffenruhe skeptisch

Der deutsche Hilfskonvoi für die Ostukraine erreicht die Hauptstadt Kiew. Die Lage in der Unruheregion bleibt gespannt. Die Vereinten Nationen sprechen von bereits 3660 Toten in dem Konflikt.

Kiew. Trotz der vereinbarten Waffenruhe sind bei blutigen Gefechten in der Ostukraine im vergangenen Monat Hunderte Zivilisten und Kämpfer getötet worden. Mindestens 331 Menschen seien allein seit Beginn der Feuerpause Anfang September in der Unruheregion ums Leben gekommen, teilten die Vereinten Nationen am Mittwoch in Genf mit. Die Zahl der Toten in dem Konflikt zwischen der prowestlichen Führung in Kiew und prorussischen Separatisten sei damit auf mindestens 3660 gestiegen, wie aus einem Bericht des UN-Büros für Menschenrechte hervorgeht. Etwa 8800 Menschen seien verletzt worden.

Zur Unterstützung der Not leidenden Menschen in dem Konfliktgebiet traf der Hilfskonvoi der Bundesregierung in Kiew ein. 98 Lastwagen hätten die Hauptstadt bereits erreicht, die restlichen 14 Fahrzeuge seien auf dem Weg in die Metropole, sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew. Die Unterstützung für den Donbass - unter anderem Heizgeräte und Decken - soll nächste Woche verteilt werden. Die Bundesregierung prüft zusätzlich eine Mission deutscher Soldaten zur Überwachung der brüchigen Waffenruhe in der Region. Allerdings äußerten sich die Aufständischen skeptisch über einen verstärkten Einsatz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit Überwachungsdrohnen.

Es bestehe der Verdacht, dass die Erkenntnisse der OSZE-Beobachter dem ukrainischen Militär einen strategischen Vorteil verschaffen könnten, so Separatistenführer Miroslaw Rudenko in Donezk. Die OSZE, mit deren Mandat dann wohl auch Bundeswehrsoldaten Dienst tun würden, müsse genau über ihre Ziele aufklären. Die OSZE in Kiew sprach von einer »zunehmend verschärften Lage« in der Ostukraine. »Die Situation verschlechtert sich täglich«, sagte Sprecher Michael Bociurkiw.

Der Stadtverwaltung in der Separatistenhochburg Donezk zufolge starben in der Nacht zum Mittwoch drei Zivilisten, vier weitere Menschen wurden verletzt. Lyssenko vom Sicherheitsrat nannte zusätzlich drei getötete Soldaten. Zwölf weitere Armeeangehörige wurden bei Gefechten in der Ostukraine verletzt.

Trotz der wiederholt aufflammenden Kämpfe bewertet Russland die Entwicklung in dem Unruhegebiet aber positiv. »Niemand hat damit gerechnet, dass die Waffenruhe von der ersten Minute an umgesetzt würde«, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Die Zusammenstöße zwischen den Konfliktparteien würden Beobachtern zufolge abnehmen. dpa/nd

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