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Im Sog der Zombies

Freitags Woche

Wen Fernsehen unentrinnbar fesselt, neigt zu dem, was neudeutsch Binge-Watching heißt: Staffelweise Serienglotzen am Stück oder wie es ein amerikanisches Paar getan hat: 51 Episoden »The Walking Dead« ohne Pause, festgehalten vom US-Sender Fox. Nun ist es nicht so, dass irgendeine deutsche Serie den Sog von »Homeland« oder »House of Cards« erzeugt, aber hiesige Sender sollten das Zombie-Experiment mal zum Anlass nehmen, ihre Struktur zu überdenken.

Aber in der öffentlich-rechtlichen Selbstwahrnehmung gilt es ja eher als Sensation, wenn Jörg Pilawa Weihnachten Rudi Carrells »Am laufenden Band« in NDR aufwärmt. Jene Uraltshow, bei der heute niemand mehr so genau sagen kann, worum es dabei bis aufs finale Vorbeirauschen merkwürdiger Sachpreise wie Schnellkochtopf und Trockenhaube eigentlich ging.

Dieses Vergessen durch das Publikum trifft Klassiker, aber auch Vieles aus der Gegenwart. So wird vom Fernsehpranger »Mein Kind schafft das« nach der achten Folge nur in Erinnerung geblieben sein, dass sich RTL 2 unter Vortäuschung von Anteilnahme an fetten Kindern beim Abspecken ergötzt hat. Auch an »Akte D« dürften sich nach dem Montagsauftakt nur wenige erinnern - was allerdings keine inhaltlichen Gründe hat. In der ARD-Reihe wird nämlich endlich das politisch gewollte Scheitern der Entnazifizierung dokumentiert - kurz vor Mitternacht, wenn garantiert keiner zusieht. Das gilt leider auch für eine weitere Entmystifizierung der Republik in »Unser Wirtschaftswunder«, das zwar um 20.15 Uhr läuft; aber 3sat haben viele gar nicht auf der Fernbedienung.

Den Quotensieg wird daher »Alles muss raus« erzielen. Der ZDF-Zweiteiler (2. Teil: Mittwoch) verhandelt die Pleite des Schlecker-Konzern zwar mit nerviger Holzhammermoral; fiktionalisierte Zeitgeschichte mit Starbesetzung (Atzorn, Preuß, Lukas, Sadler) zieht jedoch immer. Besonders, wenn sie auch noch vom Topthema Fußball handelt, dem FC Bayern zumal, der Mittwoch im Ersten mal wieder einen Satz kostenloser Werbung kriegt, wenn es die zugegeben spannende Geschichte des jüdischen Ex-Präsidenten Landauer zugegeben versiert erzählt.

Versiert ist in seiner Sperrigkeit auch alles von Dominik Graf, was der Regisseur am Wochenende gleich zweimal beweisen darf. Samstag läuft - komischerweise im BR - sein Krimi »Die reichen Leichen«, der den mysteriösen Tod von König Ludwig II. nochmals in die Gegenwart zieht. Tags drauf lässt Graf seinen Münchner Kommissar Meuffels im Polizeiruf wieder zur Höchstform auflaufen. Und wo so viel Gutes diese Woche im Süden spielt, biegen wir kurz in den Osten ab: Arte startet diesen Montag die Reihe »Red Western«, wo Defa-Winnetou Gojko Mitic zum Auftakt in »Weiße Wölfe« zeigen darf, dass Indianerfilme nicht nur von Skalpjägern oder edlen Wilden handeln müssen. Und Dienstag dann wirft der MDR (22.05 Uhr) einen wehmütigen Blick auf »DT 64«, den vergleichsweise rebellischen DDR-Jugendsender, der 1993 viel zu früh abgewickelt wurde.

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