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Deutsche Journalisten werden nicht aus der Türkei abgeschoben

Fotoreporter wollten in Diyarbakir über Kurden-Proteste berichten / Presseverbände werfen türkischer Regierung Kriminalisierung der Medien vor

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Berlin. Vorsichtiges Aufatmen im Fall der drei in der Türkei vorrübergehend festgenommenen deutschen Journalisten: Nachdem die Fotoreporter am Vormittag bereits aus der 31-stündigen Haft entlassen wurden, entschied die Staatsanwaltschaft in der Stadt Diyarbakir, die Drei vorerst nicht abzuschieben. Auf die Ermittlungen der türkischen Justiz habe dies allerdings keinen Einfluss, wie der Fotograf Björn Kietzmann via Twitter mitteilte. Eine Kontaktaufnahme mit ihm und den ebenfalls betroffenen Reportern Chris Grodotzki und Ruben Neugebauer gestaltet sich schwierig. Wie Kietzmann schreibt, hätten die Ermittlungsbehörden sowohl ihre Mobiltelefone als auch ihre komplette Fotoausrüstung beschlagnahmt.

Auf der Facebookseite der Journalistengemeinschaft Berlin-Reportagen heißt es, die Informationen von einem der Drei deuteten darauf hin, dass »ihnen von der türkischen Polizei vorgeworfen wird, sie seien Spione und Provokateure«. Die Organisation »Reporter ohne Grenzen« (ROG) bestätigte die mutmaßlichen Vorwürfe gegen die Fotojournalisten. Die türkische Justiz müsse ihre Vorwürfe fallenlassen und den Journalisten sofort eine ungehinderte Fortsetzung ihrer Arbeit ermöglichen. »Journalisten dürfen nicht kriminalisiert werden, bloß weil sie über Demonstrationen oder Unruhen berichten«, sagte der Geschäftsführer der deutschen ROG-Sektion, Christian Mihr. Dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in einer Rede internationale Medien für die Unruhen verantwortlich gemacht habe, sei unverantwortlich. Erdogan hatte bereits mehrfach ausländische Medienvertreter für angebliche Verschwörungen oder tatsächliche Protestbewegungen in der Türkei verantwortlich gemacht.

Seit Beginn der teils gewalttätigen Proteste gegen die Belagerung von Kobane sei es äußerst schwierig für Journalisten im Südosten der Türkei, über die Ereignisse zu berichten, teilte »Reporter ohne Grenzen« mit. Mehrere Berichterstatter seien von Demonstranten wie auch von der Polizei angegriffen und verletzt worden. Zudem verwehre die Türkei Journalisten ohne offizielle Akkreditierung den Zugang zu bestimmten Gebieten entlang der syrischen Grenze, die zu militärischen Zonen erklärt worden seien. Die Türkei steht auf der Rangliste der Pressefreiheit von ROG derzeit auf Platz 154 von 180 Ländern.

Die vorübergehende Festnahme der drei Journalisten sorgt auch bei anderen Medienverbänden für deutliche Kritik an der Türkei. Dies sei ein durchsichtiger Versuch, kritische Berichterstattung zu verhindern, erklärte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) am Montag in Berlin. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken sprach von einem »gestörten Verhältnis« Erdogans zur Pressefreiheit. Dies sei »unwürdig für ein Land, das die Aufnahme in den Kreis der europäischen Demokratien sucht«.

Die drei Fotojournalisten waren in der kurdisch geprägten Region, um über die Proteste gegen die von der Terrormiliz IS eingekesselte syrische Stadt Kobane zu berichten. Dabei waren im Südosten der Türkei in den vergangenen Tagen mehr als 30 Menschen getötet worden. Kietzmann hatte in der Nacht zum Sonntag getwittert: »Zusammen mit 2 weiteren dt. Journalisten im türkischen #Diyarbakir festgenommen weil wir über kurdische Proteste berichten wollten.«

Kietzmann und seine beiden Kollegen waren am Samstagnachmittag von der türkischen Polizei in Diyarbakir festgenommen worden. Ihnen wurde vorgeworfen, Spione und Provokateure zu sein. Unklar war zunächst, ob sie mit einem Journalistenvisum oder als Touristen eingereist waren.

Kietzmann, der seit 2009 als freiberuflicher Fotoreporter arbeitet, gehört dem Berufsverband Freelens an und arbeitet unter anderem auch für »neues deutschland«. Grodotzki ist Teil der Fotografen-Kooperative »Visual Rebellion« und gewann unter anderem 2013 den »dpa News Talent Award«. Neugebauer, ebenfalls von »Visual Rebellion«, hat unter anderem für die »Süddeutsche Zeitung«, den »Spiegel« sowie den »Tagesspiegel« und die »taz« gearbeitet.

Auf Facebook erklärte ein Kollege der drei, es könnten noch weitere ausländische Journalisten festgenommen worden sein. nd mit Agenturen

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